Du bist hier: Startseite › Theorie

Theorie

Aristoteles vor der Büste des Homer, von Rijn van Harmensz-Rembrandt

Theoria ist natürlich nicht mehr in erster Linie die Schau des Göttlichen! Aber Theorie ist durchaus noch immer eine Schau; eigentlich eine Sicht, und zwar eine besondere Sicht, eine vom unmittelbar praktischen, vielleicht kurzfristig interessegeleiteten Ansehen verschiedene Sicht, nämlich eine solche, die möglichst die überzeitlich invarianten Charakteristika eines Realitätsausschnitts, eines Sachverhaltes, eines betrachteten Forschungsgegenstandes zu benennen und zu isolieren sucht, um ein möglichst gründliches, bleibendes und erhellendes Bild zu gewinnen. Dieses Schauen ist zwar – zunächst aus der Sicht des oder der Schauenden – ein interesseloses, analytisches Anschauen, und in diesem Sinne vielleicht der Schau aus der grossen ätherischen Höhe des Göttlichen ein wenig ähnlich, aber dennoch unterliegt diesem Prozess der Theoriebildung ein Erkenntnisinteresse, denn die Theorie soll durchaus auch dazu geeignet sein, Handlungsempfehlungen zu geben. Dieses Erkenntnisinteresse ist aber ein überpersönliches, universales Interesse, letztlich ein Menschheitsinteresse.

Hier auf der Schillerwelt-Seite will ich versuchen etwas über folgende Theoriefelder zu sagen:

- die Philosophie, wozu auch Ethik, Ästhetik und Wissenschaftstheorie gehören. Ganz wichtig im Zusammenhang mit der Frage in welchem Verhältnis die Menschen sich eigentlich sehen und verstehen wollen zu immer mächtiger, klüger und “autonomer” werdenden Automaten finde ich die Philosophische Handlungstheorie, und hier ganz besonders die Aristotelische Handlungstheorie, mit ihren beiden Schlüsselbegriffen Poiesis und Praxis. Es wird sich zeigen, daß praktisches Handeln eigentlich ganz etwas anderes bedeutet, als der gegenwärtige “Praktiker” sich das so denken mag…

- über Ökonomie, und hier auch über Evolution ökonomischer Systeme, auch über die aktuellen Krisenerscheinungen der Wirtschaft der Welt; insbesondere aber auch über einige ökonomische Zentralbegriffe wie Wert, Geld, Knappheit, Ware, Warentausch und Markt, und unter welchen Bedingungen an sich unverzichtbare Ziele aller denkbaren Wirtschaftssysteme möglicherweise ohne Tausch, Ware, Märkte und Geld auskommen und ihre Ziele erreichen können…

- über Zivilisation, über die Idee von Zivilisation und Kultur, über denkbare Ziele der Entwicklung von Zivilisationen

- über Theoretische Informatik, mit ein wenig Automatentheorie, Theorie der Berechenbarkeit, und die Frage wo die Grenzen der Automation möglicherweise liegen, und umgekehrt aber eben die auch die unglaublichen Möglichkeiten…

Im meiner Dissertation “Wirtschaftsinformatik der ‘langen Frist’” aus 2002 habe ich mich mit den langfristigen Entwicklungserwartungen oder auch -zielen von arbeitsunterstützender Technik sowie von Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, also den Fragen wie Technik die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen kann bzw. auch soll (und wie nicht).

In der Einleitung zu dieser Arbeit habe ich versucht deutlich zu machen, was die zu erarbeitenden Fragestellungen dieser Arbeit sind. Diese Einleitung kann hier nachgelesen werden.

In dem Kapitel “Die Idealisierung des Realen und die Realisierung des Idealen” habe ich versucht herzuleiten wie ein zukünftiges ökonomisches “Organ” oder organisatorisches Subjekt aussehen könnte, das dem Organ “Unternehmen” oder “Betrieb” entspricht, unter der Bedingung, dass sehr hohe Grade von Automation erreicht worden sind. Ich gehe in meiner Arbeit davon aus, dass es so etwas wie ein Unternehmen oder Betrieb, und damit auch den Unternehmer als solchen, nicht mehr geben kann, wenn maschinelle Fertigungskapazitäten eine sehr hohe Entwicklungsstufe erreicht haben. Den “vollautomatisierten Betrieb” wird es so nie geben: ich habe in meiner Arbeit die These entwickelt, dass statt dessen überprivate Organisationen oder Gesellschaften entstehen werden, die sich mit hochentwickelter Technik weitgehend ohne repetitive “poietische” Arbeit in Selbstorganisation mit Gütern versorgen können. Etwas, was nach meiner Auffassung diesen Annahmen entspricht sehe ich gegenwärtig in den Ansätzen der “Peer Produktion” sich entwickeln.

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte die Kommentar-Richtlinien. Besorgt um den Datenschutz?