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Polis
Hier ist die kreative Idee des Schöpfers seinen Realisierungsmöglichkeiten etwas entschwunden. Die Idee war, auf dieser Seite gewissermassen eine “Agora” entstehen zu lassen, auf der tagespolitische Ereignisse abgehandelt werden. Aber das ist zu sehr eine wirklich journalistische Aufgabe, der ich mich dann doch nicht gewachsen sehe. Aber vielleicht ändert sich das ja noch – die Seite bleibt in dieser blassen Hoffnung erstmal bestehen.
Mit Blick auf das Datum wäre etwas zum 11. September 2001 zu bemerken.
Ich erinnere mich gut: ich hatte gerade eine Projektpause, wegen der schwachen Konjunktur und der sich anbahnenden New-Economy-Krise, und habe die ganze Prozedur am Fernseher miterlebt. Und ich habe gefühlt und gedacht wie alle fühlen und denken sollten: als dieses Bild mit dem brennenden Turm erschien, in Grossaufnahme, auf die obersten brennenden Stockwerke gerichtet, da dachte ich: du lieber Himmel, das wird doch nicht etwa jetzt einstürzen. Und siehe da, genau das passierte dann doch, und man dachte – ich jedenfalls – sei nicht zu gutgläubig, sei nicht zu optimistisch, manchmal passieren schreckliche Dinge in der Welt, und sind nicht zu verhindern, und damit müssen wir jetzt leben. Wieso da schon irgendwo Kameras postiert waren, die genau auf dieses Bild gerichtet waren, und dann nur diesen Bereich des Einsturzes zeigten, und nicht etwa die Totale, wie der Turm wie ein Pilz oben zu allen Seiten und in weitem Bogen Material hinausschleuderte – warum das nicht gezeigt wurde, darüber habe ich mir damals keine Gedanken gemacht.
Eine Woche später hatte ich ein Projekt in Berlin, und ich tat genau wie mir geheissen: als mir auf der Strasse ein Gruppe Menschen mit verschleierten Frauen und bärtigen Männern begegnete, richtete ich forschende und vorwurfsvolle Blicke auf sie, in der Erwartung direkt in ihre schwarzen Seelen blicken zu können, und dass sie sich möglicherweise noch schnell vor mir in den Staub werfen und um Vergebung für diese Verbrechen ihrer Volksgenossen betteln, um ihr Seelenheil zu retten. Erstaunlicherweise konnten diese Menschen meinen Blick ganz unbekümmert und leichten Herzens und freundlich ertragen und erwidern. Ich war damals in der Nähe eines grossen Hotelturmes, und schaute laufend sehr besorgt aus dem Fenster, ob da möglicherweise das nächste Hijacker-Flugzeug sein Ziel ins Visier genommen habe.
Heute glaube ich, dass die Geschichte ihr Urteil über diese Angelegenheit noch nicht gesprochen hat.
