Der Begriff Ökonomie geht ja wie so viele Begriffe der verschiedensten Wissenschaftssprachen auf die klassische griechische Philosophie zurück, auf die Oikonomia des Aristoteles (von altgriechisch οἶκος “Haus”, und νόμος “Gesetz”). Ursprünglich war Ökonomie also die häusliche Ordnung, der klassische griechische Haushalt war weitgehend autark, und die gemeine Hausarbeit verrichteten Sklaven, um dem Hausherrn die Beschäftigung mit angenehmeren Dingen zu ermöglichen, etwa Philosophie und Wissenschaft oder Poesie, in Musse… Offensichtlich hat sich an diesen Dingen viel geändert! Was aber doch gleich geblieben ist ist das, dass es in der Ökonomie um das Herstellen der Gebrauchsgüter geht, um das Herstellen und Verteilen all der Dinge und Hilfs- und Dienstleistungen, die den Menschen - oder jedenfalls vielen Menschen! - das Leben angenehm und erträglich machen, oder man sagt einfach: es geht um die Deckung des Bedarfs, und Bedarf ist etwas wovon Menschen erklärt haben dass sie es gerne haben, verbrauchen oder besitzen wollen - ganz unabhängig davon wie das nun jemand begründen oder erklären mag. Wirtschaft heisst: jemand meldet einen Bedarf an, er macht deutlich dass er etwas erwerben oder konsumieren würde wollen, dass er auch bereit ist dafür eine Gegenleistung zu erbringen - meistens die Entlohnung mit Geld - und jemand anders stellt ihm diese Leistung oder diesen Gegenstand zur Verfügung; entweder er stellt sie her oder lässt sie herstellen, oder er erwirbt sie selber aus einer anderen Quelle. Jedenfalls ist Wirtschaften meistens mit Tausch verbunden, und mit Produktion, also Herstellen, zur Verfügung stellen, an einen Ort bringen, und verbrauchen, konsumieren. Dieses an einen Ort bringen nennt man auch: Allokation (genauer: Ressourcenallokation ). Dabei gibt es nun eine Güter- und eine Faktorallokation: Güterallokation heisst einfach nur, dass die hergestellten Sachen, Produkte und Dienstleistungen auch möglichst genau bei demjenigen ankommen, der sie gerne konsumieren will, und das auch noch zur rechten Zeit, und Faktorallokation meint die Tatsache, dass in einer entwickelteren Gesellschaft und erst recht in einer Industriegesellschaft die meisten Dinge aus vielen anderen Dingen hergestellt werden, dass diese Dinge also als Faktoren in den Prozess eingehen, an dessen Ende so ein Verbrauchsgut, ein Produkt, fertiggestellt und zum Konsum bereit gestellt wird. Zu diesen Faktoren zählt man meistens: Rohstoffe, Energie, Halbfabrikate, und vor allem auch - die menschliche Arbeit . Die Arbeit ist nun für die meisten Menschen gar nicht mehr so etwas wie die Sklavenarbeit im klassischen Altertum, oder auf den nordamerikanischen Baumwollfeldern bis zum Sezessionskrieg 1865. Dennoch gibt es in der Ökonomie den Begriff des Arbeitsleids und des Freizeitnutzens , wenn auch Autoren von wirtschaftswissenschaftlichen Texten die Verwendung dieser Begriffe oft für erklärungsbedürftig halten. Aber: es wird mit ihnen operiert, ganz gewöhnlich und gängig, zum Beispiel um klar zu machen, dass ein durchschnittlicher homo ökonomicus seinen Freizeitnutzen nur dann gegen die Bürde des Arbeitsleids eintauschen wird, wenn ihm zum Lohn am Ende dann ein noch höherer Nutzen als direkter Ertrag seiner - mühevollen - Arbeitsleistung winkt… Eigentlich könnte man nun schon an dieser Stelle aus diesem Sachverhalt folgern, dass es dem homo ökonomicus offenbar am liebsten wäre, wenn er beides - und zwar in möglichst in grössten Mengen! - haben kann: Freizeitfreude UND den Ertrag von Arbeit, also die Möglichkeit, Dinge, Güter, Produkte und Dienstleistungen verbrauchen und geniessen zu können, und noch gleichzeitig den Freizeitnutzen, also möglichst unbegrenzte und risikolose Freizeitfreude zu haben… na das wär offenbar nicht schlecht. Die meistens ökonomischen Formeln liessen sich jedenfalls auf diesen Nenner bringen. Aber: wenn wir uns hier schon auf Aristotels berufen, dann können wir auch von Aristoteles lernen, dass Aristotels ja durchaus auch einen Begriff von einer Arbeit hatte, der dieses Kriterium der Mühsal, ja auch der Fremdbestimmtheit, des Funktionierens und des Herstellens ja gar nicht so zentral eingeschrieben war, nämlich eben die Tätigkeit der Freien, eine Tätigkeit, die ja geradezu Inhalt und Fülle des “Freizeitnutzens” war, Dinge, die die Freien taten in Musse, ganz frei von Not und Notwendigkeit, nämlich zum Beispiel - für Aristoteles ja die “erste” Tätigkeit - das Philosophieren, das Erkennen, das Scauen, Kontemplation; aber natürlich auch etwa der Sport, und letzten Endes lauter Dinge, die man eben einfach aus Liebe und Lust, aus Liebhaberei und Gefallen zu den Dingen oder Tätigkeiten selber tut. Aber: ob man nun die Freizeit so oder so ausfüllen möchte, mit dem puren Faulsein, oder mit höheren geistigen oder auch körperlichen Tätigkeiten - ökonomische Betrachtungen scheinen in der Konsequenz diese Schlussfolgerung nahe zu legen, dass der grosse absolute Wert an sich - jenseits all dieser endlosen Quantifizierungen in den Geldwährungen dieser Welt - darin bestehen müsste, einerseits in jedem Moment ganz frei tun und lassen zu können was das Herz nun gerade begehren mag, und gleichzeitig auf all diese schönen Dinge und Dienstleistungen zugreifen zu können, die ein Mensch sich so erträumen mag, dass sie ihm das Leben üppiger und leichter gestalten möchten … so wie ja eigentlich schon im Schlaraffenland. Nur dass es da noch überwiegend um den unbegrenzten Zugriff auf Essbares ging, und die Freizeitfreude dann mehr im Verdauen des Essbaren bestand. Besitz von Kapital würde aber - im Prinzip - genau dies ermöglichen. Es käme dann natürlich auf die Grössenverhältnisse an, wie es sich dann verhalten würde mit dem Umfang der Zugriffsmöglichkeiten, mit der Risikolosigkeit, und mit der Freiheit, der Stabilität des Freizeitnutzens. Aber ein Kapitalbesitzer und Nutzniesser von Kapitalbesitz käme natürlich in diesen Genuss: leistungsfrei konsumieren zu können, und sogar - unter Umständen - ohne Risiko. Wäre es so? Jedenfalls lassen sich ökonomische Theorien häufig so deuten, dass der gewöhnliche homo ökonomicus eigentlich nichts anderes will: faul sein, Freizeit geniessen, und konsumieren. Ja warum werden dann nicht einfach alle Kapitalbesitzer? und leben von Zinsen? es brauchten ja nur beispielsweise 4 Prozent zu sein! kann eine ganze Volkswirtschaft von Zinsen leben? Also - um das hier mal abzukürzen, und ohne das in der gebotenen Kürze erklären zu können: das geht leider nicht, oder auch zum Glück nicht. Aber: könnte denn eine ganze Volkswirtschaft von dem leben, was kluge und potente und - selbst gebaute! - Automaten, automatische programmierbare Maschinen den Menschen zum Konsum zur Verfügung stellen? das müsste man sich einmal genauer ansehen, wie weit das geht, wann - unter welchen Nebenbedingungen - das vielleicht gehen könnte, was möglicherweise gar nicht gehen könnte, und wie weit möglicherweise doch ein wenig von dieser Idee - Freizeitfreude, Musse, sich selbst gehören, und gleichzeitig viele Dinge und Leistungen gebrauchen, nutzen, verbrauchen und geniessen können - ins Leben gerufen werden könnte.