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	<title>Schillerwelt I/O</title>
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		<title>Wert und Werte</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 16:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dinge, privatisierbare Güter, haben einen Wert oder können einen Wert haben, nämlich dann, wenn es mindestens einen Menschen gibt, der so ein Ding besitzen will, oder wenn man zumindest annehmen kann dass es Menschen gibt die dieses Ding würden in Besitz haben wollen; und weil es dieser werten oder bewertbaren Dinge viele gibt, gibt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Dinge, privatisierbare Güter, haben einen Wert oder können einen Wert haben, nämlich dann, wenn es mindestens einen Menschen gibt, der so ein Ding besitzen will, oder wenn man zumindest annehmen kann dass es Menschen gibt die dieses Ding würden in Besitz haben wollen; und weil es dieser werten oder bewertbaren Dinge viele gibt, gibt es Wert auch im Plural: all diese gezählten und ungezählten begehrten Dinge und Güter, Leistungen, Materialien und Stoffe gehen (jedenfalls in hochentwickelten Volkswirtschaften mit einem ebenso hoch entwickelten Geldsystem) in die Bilanzen der Unternehmen und das Sozialprodukt der Volkswirtschaften ein, und bilden sozusagen den stofflichen Gehalt des Wohlstands der Menschen.</p>
<p>Es gibt nun auch Werte oder einen Wert, den gibt es nur im Singular: das Begehrte, auf das dieser Wert hinzeigt sozusagen, ist ein Zustand dieser Welt, in der wir alle leben, alle Menschen, und in gewisser Weise auch die Tiere, alle lebenden Wesen also, insbesondere aber die Menschen, als jene Wesen, denen wir einen Subjektstatus zusprechen, und Würde: die allen Menschen gleichermassen zukommende und zustehende, unveräusserliche Menschenwürde. Dieser Wert ist also bezogen auf oder verbunden mit oder leitet sich her oder enthält die Obligation zur Herstellung eines Zustandes der Welt, also der Lebenswelt für die darin lebenden Wesen, davon in erster Linie die Menschen. Dieser Zustand nun ist gekennzeichnet durch zwei Elemente: erstens die Möglichkeit für alle Menschen, ohne Schuld zu leben, also ohne Obligation, etwas tun oder leisten oder ableisten zu müssen, sowohl im engeren moralischen Sinne, also natürlich auch ohne im strafrechtlichen Sinne schuldig geworden zu sein, aber auch ohne gegen erkennbare Rechte anderer Rechtssubjekte verstossen zu müssen oder verstossen zu haben, und ohne sonstige bindende und verpflichtende Obligationen und Gewissenslasten. Und zweitens: in möglichst grosser, unbeschränkter Autonomie leben zu können, also die eigene &#8220;Autonomie des Willens&#8221; gegen die &#8220;Heteronomie der wirkenden Ursachen&#8221; setzen zu können (kantisch gesprochen). Also: Herr des Tages zu sein, der eigenen Lebensumstände; die verfügbare Lebenszeit und -Kraft gestalten zu können, ohne hier durch vorgefundene naturwüchsige und vorkulturelle Naturnotwendigkeiten eingeschränkt zu sein. Es ist also durchaus das mit eingeschlossen, was man auch gerne &#8220;wirtschaftliche Unabhängigkeit&#8221; nennen mag: ein möglichst wenig eingeschränkter, möglichst freier Zugriff auf industriell herstellbare Konsumgüter, also Güter des täglichen Bedarfs und zur Unterstützung einer kommoden Lebenshaltung; dies natürlich nur im Rahmen des ökologisch vertretbaren Ressourcenverbrauchs. Nicht ganz offensichtlich ist und daher auch nicht ganz leicht zu begründen (und daher wird dies leider auch oftmals verkannt): dass dies voraussetzt, dass diese Konsumgüter zum einen voll maschinell hergestellt werden können, und zum anderen setzt es eine bestimmte Weise der Produktion und Verteilung dieser Güter voraus, nämlich eine nicht-marktliche Güter- und Faktorallokation. Dazu später. </p>
<p>Jedenfalls scheint es so zu sein, dass so eine Idee eines idealen Zustandes der Welt, der gesamten Lebenswelt, rund um den Globus, den Menschen auf eine Weise bekannt ist, die möglicherweise den apriorischen Bewusstseinsinhalten entspricht, die uns das Denken ermöglichen, bevor wir je eine bewusste Erfahrung gemacht haben, also den kantischen Verstandeskategorien Raum und Zeit. Diese Idee eines Idealzustandes hat sich als Vorstellung eines verlorenen gegangenen Paradieses, als ein Leben nach dem Tod, als eine Verheissung ausserhalb des geschichtlichen Raumes in die heiligen Bücher der diversen Heilslehren und Religionen begeben, wo sie dann möglicherweise als göttliche Offenbarung erschien. Aber auch im ganz streng rationalen Denken, in der Rechtsphilosophie beispielsweise, oder in der Ethik kommen wir nicht aus ohne diese Vorstellung eines Ideals, eines idealen Zustandes, den die Welt einnehmen soll, und den herzustellen uns Menschen aufgetragen ist, dazu sind wir uns gegenseitig verpflichtet, die Würde des einen Menschen verpflichtet den anderen dazu, an dieser Verwirklichung mitzuwirken. Dieser Zustand der gesamten Welt ist ein absoluter Wert, mit und durch nichts zu relativieren. </p>
<p>Und die vielen relativen Werte der tauschbaren und privatisierbaren Güter beziehen ihren wahren Wert gewissermassen aus der Bezogenheit auf diesen absoluten Wert: dadurch, dass sie einen Beitrag leisten können, diesen Zustand zu realisieren, oder ihm ein wenig näher zu kommen. Die guten Dinge. Die guten Dinge sind solche, die die Welt in diesem Sinne schöner machen, und uns ein bischen dem Paradies näher bringen. </p>
<p>Man kann sagen: die Welt soll so beschaffen sein, dass wir darin leben können in Freiheit und Unschuld. Nun kann man natürlich nicht einem bestimmten Zustand der Welt die Verantwortung dafür zuschreiben, dass ein einzelner Mensch irgendwo in dieser Welt individuelle Schuld auf sich lädt: das wird natürlich niemals durch irgendwie geartete menschengemachte Zustände der Welt verhindert werden können; sicherlich wird auch in dem vollkommensten aller Paradiese noch ein Mensch individuell schuldig werden können. Aber wir können einen Zustand der Lebenswelt vorstellen und &#8211; möglichst &#8211; auch herstellen, in dem das Schuldigwerden nicht mehr gewissermassen zur alltäglichen menschlichen Tragödie des Überlebens dazu gehört: im alltäglichen Überlebenskampf unter (wirtschaftlichen) Wettbewerbsbedingungen ist dieser sozusagen sportliche und vielleicht durchaus faire Wettbewerb durchmischt mit Verstössen gegen eigentlich gültige und erkennbare Prinzipien der zwischenmenschlichen Solidarität, und darum sind wir alle in der Fülle unseres satten Wohlstands ein kleines oder grösseres bisschen mit Schuld beladen, zum Beispiel der reiche und entwickelte Norden gegenüber dem armen Süden, dessen Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten recht systematisch und massiv beschnitten werden. Aber schon im ganz alltäglichen Handeln und Wandeln, in dem ganz gewöhnlichen Kauf- und Verkauf von Gütern und Leistungen steckt möglicherweise ein kleines bischen Schuldigwerden: ganz gewöhnlich begegnen sich in dieser Ur-Situation der Marktwirtschaft zwei Menschen mit konfligierenden Interessen, und man kann eigentlich nie oder so gut wie nie wissen, ob ein erzielter &#8220;Preis&#8221; für eine Kaufsache, auf den man sich geeinigt hat, wirklich ein gerechter Preis ist: möglicherweise hat sich eben einer der beiden Kontrahenten durchgesetzt, und den anderen ein wenig oder ein wenig mehr übervorteilt.  </p>
<p>Paradise is near, sagte Achemo.           </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2012/01/wert-und-werte/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2012/01/wert-und-werte/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Von einem neuen Paradigma der Produktion zu einem neuen Paradigma der Ökonomie</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 14:56:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
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		<description><![CDATA[Einleitung Seit den frühen 1990er Jahren ist in verschiedenen Foren und wissenschaftlichen als auch außerwissenschaftlichen Kontexten von einem neuen „Produktionsmittel“ die Rede, an das teilweise große Zukunftserwartungen geknüpft werden, und von dem einige Autoren eine besondere Leistungsfähigkeit erwarten, wie sich vielleicht schon aus den Benennungen für diese Maschine erahnen lässt, die sich im Laufe der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Einleitung</strong></p>
<p>Seit den frühen 1990er Jahren ist in verschiedenen Foren und wissenschaftlichen als auch außerwissenschaftlichen Kontexten von einem neuen „Produktionsmittel“ die Rede, an das teilweise große Zukunftserwartungen geknüpft werden, und von dem einige Autoren eine besondere Leistungsfähigkeit erwarten, wie sich vielleicht schon aus den Benennungen für diese Maschine erahnen lässt, die sich im Laufe der Jahre dafür gefunden haben: etwa „Santa-Claus-Maschine“, ein Name der diese erwartete Eigenschaft ins Bild setzt, in geradezu weihnachtlich üppiger Fülle freigiebig mit Produkten und Erzeugnissen zu sein, oder die von dem Wissenschaftsjournalisten Niels Boeing geprägte Wortschöpfung „Marx-Maschine“, die die Erwartung fundamentaler gesellschaftlicher Veränderungen ausdrückt (Boeing 2008); der Physiker und Informatiker Neil Gershenfeld nannte sie auch „die Mutter aller Maschinen“, weil sie eine Maschine sein soll, die jede erdenkliche Maschine bauen kann, einschließlich einer Kopie ihrer selbst, womit er gedanklich anknüpft an das Maschinenmodell der Theoretischen Informatik, die Universale Turing Maschine, die eben jede beliebige spezielle Turing Maschine zur Ausführung bringen kann; diese im Zweidimensionalen (Bits) erreichte Universalität will Gershenfeld mit dieser „Mutter aller Maschinen“ ins physikalische Reich des Dreidimensionalen (Atoms) übertragen (am „Center for Bits and Atoms“; Gershenfeld:2005). </p>
<p>Im Jahre 2008 erschien ein Aufsatz einer Forschergruppe um den US-amerikanischen Computerwissenschaftler Hod Lipson mit dem Titel „Universal Desktop Fabrication“ (Vilbrandt et al 2008: 259–284), in dem nun diese im Bereich der Produktionswissenschaften entstandene Entwicklung (zuerst als „Rapid Prototyping“; vgl. Gebhardt 2006a) zum ersten Mal in Verbindung mit dem umfassenden Anspruch der Formulierung eines neuen Paradigmas der Produktion vorgestellt worden ist. „Universal Desktop Fabrication“ wird hier in Verständnis und Anspruch deutlich abgesetzt von dem zumindest in der Anwendungspraxis üblichen Verständnis als Ergänzung oder Spezialanwendung von Nischentechnologie innerhalb der geläufigen großindustriellen Fertigungsverfahren; es wird vorgestellt und theoretisch entwickelt mit dem Anspruch, eine umfassende, mächtige und universal einsetzbare Alternative zu sein zu den bekannten konventionellen industriellen Verfahren, „capable of rapidly manufacturing almost any arbitrary, complete, high-quality functional object“; und dies auf eine Weise die beabsichtigt „to be inexpensive, simple, safe and intuitive to operate, open to user modification and experimentation“. </p>
<p>Die in der vorliegenden Arbeit bearbeitete Fragestellung ist nun die: verlangt oder erzwingt gar ein solches neues „Paradigma der Produktion“ auch ein neues „Paradigma der Ökonomie“? Oft wird solchen Fragestellungen gegenüber eingewandt, diese Technologie ermögliche gegenwärtig für den Endverbraucher nur die Produktion von allerlei Entbehrlichem, von Spielzeug, dies überdies nur aus einem einzigen Material. Unterstellt man aber einmal in gedanklicher Vorwegnahme des erforderlichen Reifungsprozesses einen erreichten Reifgrad dieser Technologie derart, dass so ein UDF-System beispielsweise innerhalb von 10 Stunden zuerst eine Spülmaschine, einen Herrenpullover, dann ein Mobiltelefon und schließlich vielleicht ein Elektrofahrrad fabrizieren kann, dies alles in bester Qualität, zur vollsten Zufriedenheit der potentiellen Konsumenten und ohne etwa exzessiv viel Energie und/oder Rohstoffe zu verbrauchen: dann lägen erhebliche ökonomische Konsequenzen aber doch ganz offensichtlich auf der Hand. </p>
<p>Wie kommt man nun zu einer Einschätzung? In Vorwegnahme der einleitenden Entwicklung des Aufbaus der Arbeit wird diese Frage aufzugliedern sein in die folgenden vier Aspekte oder Fragestellungen: 1. die technische oder technologische nach dem Potential und der inneren Entwicklungslogik dieses Paradigmas; 2. die ökonomische nach der gegenwärtigen Situation der Ökonomie und deren Entstehungsgeschichte; 3. die hypothetisch-ökonomische nach der Verfassung einer Ökonomie unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit dieser Technologie auf einem denkbar hohen Reifeniveau; und 4. die sozialphilosophische nach der Wünschbarkeit so zur Vorstellung kommender ökonomischer Zustände. Diese Fragestellungen werden im Folgenden also zu erörtern sein. Die Entwicklung des Gedankens soll hier zunächst fortgesetzt werden mit der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Technologie und Anwendungskontext.  </p>
<p>Erfahrungen im Umgang und mit der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) allgemein lehren, dass hier immer zweiseitige Beziehungen bestehen zwischen der Technik oder Technologie, und ihrem (meist ökonomischen) Anwendungskontext: einerseits hat die Technik die Funktion eines „Enablers“, indem sie – einmal vorhanden – neue Anwendungen ermöglicht, an die ohne sie bis dahin nicht zu denken gewesen wären. Auf der anderen Seite entstehen aus dem Bereich des Anwendungsumfeldes, der Ökonomie allgemein oder etwa speziellen betrieblichen Situationen bestimmte Anforderungen an die IuK, die im weitesten Sinne eine Wirkung wie eine Beauftragung entfalten und zu besonderen Entwicklungen führen, die eben so ein ganz bestimmtes Anforderungsprofil erfüllen (vgl. Scheer 1990:VIII).         </p>
<p>Wenn man so will, lässt sich der genannte Zusammenhang auf einer übergeordneten, geschichtsuniversalen Ebene auch in folgendem Gedanken aus dem Vorwort zur Politischen Ökonomie von Karl Marx wiederfinden: „Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft ausgebrütet sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet, wird sich stets finden, dass die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozess ihres Werdens begriffen sind.“ (Marx 1969:720) Die Betrachtungsebene ist hier also eine andere: der betrachtete geschichtliche Zeitraum ist global und geschichtsuniversal, und statt von (betrieblichem) Anwendungsumfeld ist von gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen die Rede, in denen die (betriebliche oder sonstige) Form der Organisation eine Variable ist. Es lässt sich aber eben auch hier das beschriebene wechselseitige Verhältnis zwischen gesellschaftlicher „Aufgabenstellung“ (das Ausbrüten der neuen Produktionsmittel) und technisch ermöglichter Lösung wieder finden: die Aufgabe entspringt erst, wo die materiellen Bedingungen (…) im Prozess ihres Werdens begriffen sind, dann aber wirkt die so entstandene Aufgabenstellung auf die Entwicklung der Technik zurück. </p>
<p>Es wird zu zeigen sein, dass dies – auch in dieser übergeordneten Betrachtungsweise – auch für den Fall der genannten Produktionstechnologie gilt. Darüber hinaus wäre die im vorliegenden Zusammenhang zu beantwortende Fragestellung eben die nach der Art und Beschaffenheit der „höheren Produktionsverhältnisse“, und in welchem Verhältnis sie möglicherweise zu den hier beschriebenen Produktionsmitteln stehen: ob es sich hier möglicherweise um eben dieses Verhältnis von Ermöglichung und Aufgabenstellung handelt, das sich hier im geschichtlichen Raum abzuzeichnen beginnt.          </p>
<p>Es wird zunächst der gegenwärtig erreichte Stand des „Additive Manufacturing“ kurz umrissen sowie das Paradigma der Universal Desktop Fabrication ausführlicher vorgestellt (1). Die vorgestellte Entwicklung soll anschließend in vorliegende Modelle der historischen Entwicklung in Ökonomie und Technologie eingeordnet werden (2). Es soll hier insbesondere gezeigt werden, dass es sich bei derartigen universalen, hoch flexiblen sowie simultan hoch produktiven Fabrikationssystemen um Manifestationen einer durch die Entwicklungsgeschichte von ökonomisch angewandter Technologie sich entfaltenden Entwicklungslogik handelt, in deren Kontext derartige „Universale Schreibtisch Fabriken“ nicht etwa als punktuell und mehr oder weniger zufällig auftretende innovative Inspirationen einzelner Forscher oder Forschungsprojekte zu verstehen sind, sondern als Kulminationspunkt einer Evolutionsgeschichte von in wirtschaftlichen Kontexten angewandter Technologie. Wegen des genannten wechselseitigen Beeinflussungsverhältnisses zur umgebenden Wirtschaftsentwicklung folgt ein kurzer Abriss der Entwicklung von Wirtschaftssystemen, die ihrerseits wieder in sich fortentwickelnde Gesellschaftssysteme eingebettet sind (3). Es soll anschließend die oftmals mehr oder weniger implizite regulative Idee marktlich verfasster Wirtschaftssysteme explizit gemacht werden (4). Es kann nun in Abgrenzung dazu ein hypothetisches, abstraktes, ideales Modell einer der Technologie des UDF korrespondierendes Makro-Modell von Ökonomie entwickelt werden, unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit dieser Technologie auf einem sehr hohen Reifeniveau (5). Dies kann dann als regulative Idee einer neuen Ökonomie auf Basis dieser neuen Produktionstechnologie vorgestellt werden, wenn sich sowohl für seine technische Realisierbarkeit als auch für seine sozialphilosophische Wünschbarkeit Plausibilitäten benennen lassen.   </p>
<p>Nachdem problematisiert worden ist, dass ein „ideales“ makroökonomisches Modell auf Basis des UDF eben als regulative Idee, also im geschichtlichen Raum nie vollständig realisierbare Zielgröße verstanden werden muss, das zur realen Ökonomie in etwa dem gleichen Spannungsverhältnis stehen wird wie die ideale Kommunikationsgemeinschaft der Diskursethik zu realer praktischer Politik und realen Gesellschaften, wird dennoch unterstellt, dass praktische Wirtschaftspolitik sich zunehmend diesem Ideal als orientierungsleitender Idee verpflichten muss, statt der immerwährenden Perpetuierung und Erweiterung von wirtschaftlichem Wachstum als Kapitalertragssteigerung, und Vollbeschäftigung. Die resultierende praktische Fragestellung (6) wäre also: wie könnte ein derartiges neues Paradigma in langfristige praktische wirtschaftspolitische Konzeptionen eingearbeitet werden? Wie könnte das Paradigma des UDF gesellschaftlich-praktisch gefördert werden? Als Beispiel wäre hier zu nennen der Report von Hod Lipson für das Whitehouse Office of Science &#038; Technology Policy, in dem er zu umfassenden Empfehlungen zur Förderung dieser Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft kommt (Lipson 2010). Als zu verfolgendes Ziel wird also unterstellt, dass diese Basistechnologie innerhalb der bestehenden marktwirtschaftlichen Ordnung zu größerer Reife entwickelt werden muss.  </p>
<p><strong>(1) Das Paradigma der Universal Desktop Fabrication</strong></p>
<p>Generative oder additive Fertigungsverfahren sind seit Ende der 1980er Jahre entstanden vornehmlich zur Herstellung nicht funktionsfähiger Anschauungsmodelle in Entwicklung befindlicher Produkte aus einem einzigen Material, meistens Kunststoff (Rapid Prototyping). Diese Fertigungsverfahren beruhen grundsätzlich auf der Möglichkeit, 3D-Computerdaten in Gestalt von Schichtmodellen des herzustellenden Bauteils in präzises Aneinanderfügen von kleinsten Volumenelementen des verwandten Baumaterials umzusetzen. Die wissenschaftliche Fortentwicklung vollzog sich im Laufe der 1990er Jahre vorwiegend im Bereich der Produktionswissenschaften („Generative Fertigung“; „Additive Fertigung“; „Rapid Prototyping“; „Rapid Manufacturing“; vgl. Gebhardt 2006a; Bopp 2010; Burns 1993; Piller 1998;). Weiterentwicklungen dieser Verfahren in Richtung der Verwendung unterschiedlicher Materialien (auch Metalle), zunehmender Präzision der Werkstoffbearbeitung sowie der erlaubten Komplexität der Produkte führten zur Entwicklung von Verfahren und Maschinen mit dem Zweck der Fabrikation von Endprodukten (sogenannte Fabrikatoren oder Fabber). Der Amerikaner Marshall Burns stellte 1993 ein erstes umfassendes Buch über „Fabber“ vor (Burns 1993). B. Hinzmann entwickelte früh verschiedene Szenarien der Integration dieser neuen Technologie in das Alltagsleben der Menschen, die mit Materialien und Rohstoffen sowie CAD-Daten über das Internet zu versorgen wären, um im Haushalt (Home) Fabber zur Herstellung ihrer individuellen Konsumgüter nutzen zu können (Hinzmann 1996):   </p>
<p><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/12/von-einem-neuen-paradigma-der-produktion-zu-einem-neuen-paradigma-der-okonomie/fabber_scenario/" rel="attachment wp-att-3705"><img src="http://schillerwelt.org/dateien/2011/12/fabber_scenario-e1325169994109.jpg" alt="Das Personal Factory Scenario nach Hinzmann (Hinzmann 1996)" title="Personal Factory Scenario" width="520" height="465" class="alignnone size-full wp-image-3705" /></a></p>
<p>Ein sehr guter Überblick über die Entstehungsgeschichte der Technologie sowie eine in allerlei Zukunftsszenarien ausgearbeitete Diskussion der zu erwartenden Weiterentwicklung findet sich bei Neef et al. (Neef et al. 2005 ; vgl. auch etwa Anderson 2010; Wohlers 2008:136; Easton 2009:42-47). Die Zeitschrift Technology Review widmete dem Thema Rapid Manufacturing einen Focus (Heft 04/2011) mit einem guten Überblick über den erreichten State of the Art. Ein oft zitiertes Beispiel für ein in additiver Fertigung entstandenes Produkt ist etwa eine Kunststoffgeige aus dem Kunststoff „Peek HP3“, die von der Herstellerfirma des eingesetzten Fabrikators auf einer Messe von einer Geigenvirtuosin eindrucksvoll zum Klingen gebracht worden ist (Richter 2011:72). Eine besondere Schwierigkeit des Herstellungsverfahrens liegt in der Anforderung, die gewünschten Materialeigenschaften (neben den Klangeigenschaften: Sterilisierbarkeit, Chemikalienresistenz, bestes Brand-, Rauch-, Toxititätsverhalten) im additiven Prozess mit zu erzeugen. Als weitere Anwendungsfelder werden die Herstellung medizinischer oder zahnmedizinischer Produkte wie Prothesen der Extremitäten oder Zahnersatz genannt, besonders anspruchsvoll und komplex designte Möbelstücke („Mikado-Hocker“), eine Kunststoff-Kopie der Mumie des Tutanchamun, oder ein „Akkuschrauber auf Rädern“, ein Studentenjux der HAWK in Hildesheim, der darin besteht skurrile Fahrzeuge zu entwerfen die in jedem Fall von einem 18-Volt-Akkuschrauber angetrieben werden müssen, also eine Art Modell-Rennwagen von 6 kg Gewicht, dessen Ausdruck mit dem additiven Fabber zehn Tage in Anspruch genommen hat. (Honsel 2011:68). D. Dilba (Dilba 2011:70) gibt einen schönen Überblick über die gegenwärtig verfügbare Praxis der “Mini-Fabrik im Wohnzimmer”, mit deren Hilfe es möglich ist eine große Vielzahl von eher entbehrlichen (z. B. Schmuckstücke) oder alltagstauglichen (z. B. Ersatz für zerbrochenes Brillengestell) Gegenständen herzustellen. Auf der Webseite www.thingiverse.com sind Tausende von digitalen Bauplänen verfügbar, die da auch abgelegt oder getauscht werden können; dies ist ebenfalls das Prinzip der Firma Shapeways (www.shapeways.com), auf deren Datenbank rund 80.000 Produkte als digitaler Bauplan verfügbar sind, und die im Schnitt wöchentlich um etwa 2500 neue Produkte erweitert wird, von eben den Anwendern, den „Kunden“ dieser Firma. Zu erwähnen wäre schließlich noch ein wissenschaftliches Projekt, das sich dem Thema Generative Fertigung widmet, nämlich die Fraunhofer-Allianz Generative Fertigung, die sich unter der Mitwirkung von 11 Fraunhofer-Instituten der Forschung auf diesem Gebiet annimmt (Fraunhofer-Institut 2011).          </p>
<p>Die bislang mit dem umfassendsten theoretischen Anspruch aufgetretene Publikation zu diesem Gebiet dürfte der genannte Aufsatz mit dem Titel „Universal Desktop Fabrication“ sein.  Hier wird eben explizit der Anspruch formuliert, ein universal verwendbares Herstellungsverfahren für beliebige voll funktionsfähige Konsumgüter auf der Basis verschiedener Materialien zu formulieren und vorzustellen. In einer Zusammenfassung ihres Aufsatzes charakterisieren die Autoren ihr Paradigma wie folgt: “Advances in digital design and fabrication technologies are leading toward single fabrication systems capable of producing almost any complete functional object. We are proposing a new paradigm for manufacturing, which we call Universal Desktop Fabrication (UDF), and a framework for its development. UDF will be a coherent system of volumetric digital design software able to handle infinite complexity at any spatial resolution and compact, automated, multi-material digital fabrication hardware. This system aims to be inexpensive, simple, safe and intuitive to operate, open to user modification and experimentation, and capable of rapidly manufacturing almost any arbitrary, complete, high-quality, functional object. Through the broad accessibility and generality of digital technology, UDF will enable vastly more individuals to become innovators of technology, and will catalyze a shift from specialized mass production and global transportation of products to personal customization and point-of-use manufacturing. Likewise, the inherent accuracy and speed of digital computation will allow processes that significantly surpass the practical complexity of the current design and manufacturing systems.” (a.a.O.)  </p>
<p>Es wird also der Anspruch formuliert, Fabrikationssysteme mit der Kapazität zu entwickeln, nahezu jedes beliebige komplette funktionsfähige Objekt auf der Grundlage verschiedener Materialien herzustellen. Diese Systeme sollen kompakt, einfach, sicher und kostengünstig sein, und in der Lage diese Objekte in kurzer Bauzeit in hoher Qualität herzustellen. Dieses Paradigma (UDF) werde eine Verlagerung von spezialisierter Massenproduktion und weltweitem Transport von Produkten hin zu einer „personal customization“ und einer Verbrauchspunkt-Fabrikation auslösen, also zu einer Fabrikation mit kürzester Distanz zwischen Konsumtion und Produktion. </p>
<p>Zur Funktionsweise dieser Systeme ist folgendes festzuhalten: sie bestehen aus einem Software-Teil, hier bezeichnet als „volumetric digital design software able to handle infinite complexity at any spatial resolution“, und einem Hardware-Teil, hier bezeichnet als „compact, automated, multi-material digital fabrication hardware“. Es wird im Software-Teil zunächst das herzustellende Objekt als Modell entworfen und schließlich in eine digitale Form umgewandelt, so dass dieses Modell von einer Maschine, eben diesem Hardware-Teil, in seine 3-dimensionale physische Gestalt umgewandelt werden kann. Wenn diese Entwürfe als maschinenlesbare Modelle von Produkten einmal geschaffen sind, können sie vollautomatisch, vollmaschinell in reale Objekte umgewandelt werden. Es ist zu beachten dass dieses Entwerfen durchaus auch nur in einer Auswahl des Konsumenten aus einer Ansammlung oder einem Katalog von bestehenden Modellen bestehen kann (die von einem externen Speichermedium eingelesen werden können), oder in einer Art von Editieren auf der Grundlage bestehender Modelle, die so also den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen angepasst werden; diese Art von Design verlangt also nicht tatsächliche Designkenntnisse oder sonstige Kenntnisse bezüglich des angestrebten Fertigungsprozesse und ist insofern nicht unbedingt als in diesen Prozess eingehender Leistungsanteil zu verstehen, so wie die Produktauswahl, das ja unter Umständen durchaus mühevolle und aufwändige Vergleichen und Bewerten von Produkten im konventionellen Kaufverfahren ja nicht als originäre wertschöpfende Leistung betrachtet wird.     </p>
<p>So weit also das Paradigma der UDF. Dieser Anspruch eines universal einsetzbaren Produktionssystems wird aber auch von anderen Wissenschaftlern vertreten; der Physiker und Informatiker Neil Gershenfeld kündigte in seinem 2005 erschienen Buch „FAB“ eine „kommende Revolution auf dem Schreibtisch“ an, und hob hier insbesondere die Parallelität der Entwicklung vom extrem kostspieligen Großrechner der 1950er Jahre zum erschwinglichen Personal Computer einerseits mit der von der industriellen Großfabrik (ebenfalls kostspielig!) zum (erschwinglichen) „Personal Fabricator“ andererseits hervor (Gershenfeld 2005), woraus er ebenfalls Rückschlüsse auf den zu erwartenden Grad der Verbreitung wie auch auf die Universalität der Anwendungsfelder zog. Gershenfelds ambitionierte Ziel-Vision der Entwicklung einer „Mutter aller Maschinen“ war schon genannt worden. Bei Neef et al. wird Gershenfeld mit folgender Aussage zitiert: „Momentan sind die Aufgaben [zur Produktentwicklung und –produktion; d. V.] in einer großen Firma aufgeteilt zwischen vielen Leuten und Abteilungen. In der Zukunft wird der Besitz über die Mittel der Produktion nicht mehr länger ein Geschäftsmodell sein.“ (Neef et al 2005:17;  die Autoren verkneifen sich nicht die Bemerkung, dass Marx sicherlich seine Freude an dieser Technologie gehabt hätte.) </p>
<p>Als ein weiteres wissenschaftliches Projekt mit dem gleichen Gegenstand wäre das RepRap-Projekt des britischen Wissenschaftlers Adrian Bowyer zu nennen, der speziell dieses Forschungsziel verfolgt, eine selbstreplikationsfähige Maschine zu entwickeln, also eine Fabrikationsmaschine, die einen möglichst großen Teil ihrer Bestandteile selbst herstellen kann. Es wird hier als ökonomisch bedeutungstragende charakteristische Funktion die angestrebte Dezentralisierung der Produktion sowie die Übertragung dieser Technologie und der Maschinen, des „Kapitals“, in die Hände der Menschen genannt und formuliert (Bowyer 2007, Bowyer  2011). Der auf dem Gebiet der Generativen Fertigung in Deutschland führende Wissenschaftler Andreas Gebhardt sprach bereits 2006 von einem „Paradigmenwechsel von der heutigen Hersteller-induzierten Massenproduktion von Massenartikeln zur Verbraucher-induzierten (und verantworteten) Massenproduktion von Einzelteilen für jedermann“, die „geeignet ist, möglicherweise unsere Arbeits- und Lebensformen tiefgreifend zu beeinflussen“ (Gebhardt 2006b).    </p>
<p>Es schließt sich nun der Versuch einer Einordnung dieser Entwicklung in eine Entwicklungslogik von Produktionssystemen an.  </p>
<p><strong>(2) Entwicklungslogik von Produktionssystemen  </strong>  </p>
<p>In einem groben Überblick kann man sich der Systematik nach A. Toffler (Toffler 1980) anschließen und seiner Einteilung der Stufen gesellschaftlicher und industrieller Entwicklung in drei Wellen:  </p>
<p>1. Welle	Agrargesellschaft<br />
2. Welle	Industriegesellschaft,<br />
3. Welle	Informationsgesellschaft </p>
<p>Jede Welle hat eine Produktionsart: </p>
<p>1. handwerkliche Einzelproduktion, dezentral; agrarische Produktionsstätten verschiedener Größenordnungen<br />
2. zentrale Massenproduktion mit Mechanisierung und Automatisierung, große Stückzahlen, Fabrikhallen<br />
3. dezentrale ‚schlanke’ Produktion, maßgefertigte Produkte         </p>
<p>Jeder Produktionsart der drei Wellen entspricht nun eine Technologie: </p>
<p>1. Pflug, Techniken der Feldbewirtschaft, Handwerkzeug, Muskelkraft<br />
2. mechanische Maschinen, Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren, Elektrizität<br />
3. automatische Maschinen, IuK-Technologie Unterstützung geistiger Arbeiten   </p>
<p>In einer etwas feineren Einteilung ließen sich folgende Evolutionsstufen nennen: </p>
<p>1. Urproduktion<br />
2. antike Sklavenhaltergesellschaft mit der dominierenden Organisationsform des für den Eigenbedarf erzeugenden Oikos (römisch Domus);  handwerkliche und überwiegend agrarische Produktion<br />
3. Agrargesellschaft, Handwerksbetriebe, Zünfte<br />
4. Manufaktur<br />
5. Industrialisierung: spezialisierte Fabrik, fordistische Großindustrie, Großserien<br />
6. Informationsgesellschaft: flexibilisierte Fabrik, Überwindung des traditionellen Antagonismus zwischen Flexibilität und Produktivität durch IuK-Einsatz (vgl. Piller 2000:138); Mass Customization<br />
7. Open Innovation; Commons Based Peer Production; dezentrale Mini-Fabrik; „Wikinomics“ als Modelle organisatorischer, wertschöpfender Verflechtung von Produzent und Konsument sowie von Konsumenten bzw. Produzenten untereinander (vgl. R. Reichwald, F. T. Piller 2009; D. Tapscott, A. Williams 2010)</p>
<p>Offensichtlich ist die Entwicklungsrichtung der Produktionsarten bzw- -systeme gekennzeichnet durch einen zwar zunächst sehr schwachen, dennoch meist stetig positiven Produktivitätszuwachs, der durch Verfeinerung der Verfahren, später auch durch Nutzbarmachung mechanischer Energien gewonnen wird, und der zunächst zu Lasten der Flexibilität geht: Produktivitätszuwächse in den Manufakturen sowie den tayloristisch organisierten Fabriken der frühen Industrialisierung wurden durch Zergliederung und Spezialisierung der Arbeitsabläufe und eine resultierende Professionalisierung der Belegschaften erzielt, wodurch die erreichbaren Stückzahlen stark gesteigert werden konnten (economies of scale). Wie F. T. Piller in (Piller 2000) eindrucksvoll darlegt, konnte dieser „traditionelle Antagonismus zwischen Flexibilität und Produktivität“ ab Ende der 1980er Jahre durch zunehmenden Einsatz von IuK-Technologie allmählich aufgehoben werden. Dieser Entwicklungspfad in Richtung weiterer Zunahme von Produktivität sowie gleichzeitig von Flexibilität hat sich durch die 2000er Jahre – aus Gründen, die im folgenden Abschnitt dargelegt werden – verstetigt, so dass sich als Metapher oder Leitbild für weitere Technikevolution eben diese „gleichermaßen flexible und produktive Fabrik der Zukunft“ benennen lässt (Piller 2000:133). Eine derartige Technologie nun erlaubt die Entstehung und Ausdifferenzierung einer Art von Wirtschaftssubjekt, die Alvin Toffler 1980 mit der originellen Wortschöpfung „Prosument“ belegt hat: die Möglichkeit für Konsumenten, Funktionen der Produktion, der Wertschöpfung in zunehmendem Masse mit zu übernehmen, indem ihnen die Möglichkeit gegeben wird, „ihr“ Produkt zu variieren, zu gestalten oder gar zu kreieren, oder auch ganz allgemein konstruktiven Input zu leisten zur innovativen Gestaltung und Verbesserung von Prozessen oder Produkten (vgl. die Vielfalt der Möglichkeiten interaktiver Wertschöpfung, die Reichwald / Piller in ihrem Buch aufzeigen; Reichwald / Piller 2009:219 ff.). Dieser Prozess wurde an anderer Stelle auf die Formel gebracht, dass der Kern der Wertschöpfung sich zunehmend ans Ende der Wertschöpfungskette verlagert (W. Davidow, M. Malone 1993).   </p>
<p>Um nun abschließend diese Betrachtungen zur Evolution von Produktionssystemen in einen umfassenderen Zusammenhang zu stellen, sei folgender Satz des ab den 1950er Jahren als Technikphilosoph hervorgetretenen Philosophen und Soziologen Arnold Gehlen zitiert, den Jürgen Habermas in „Technik und Wissenschaft als Ideologie“ wiedergibt: „Dieses Gesetz [eines Verlaufs der technischen Entwicklung, d. V.] sagt ein innertechnisches Geschehen aus, einen Verlauf, der vom Menschen als Ganzes nicht gewollt worden ist, sondern dieses Gesetz greift sozusagen vom Rücken her oder instinktiv durch die gesamte menschliche Kulturgeschichte hindurch. Ferner kann es im Sinne dieses Gesetzes keine Entwicklung der Technik über die Stufe der möglichst vollständigen Automatisierung hinaus geben, denn es sind keine weiteren Leistungsbereiche angebbar, die man objektivieren könnte.“ (in: Habermas 1968:56) In dieser Sichtweise ist die „gesamte menschliche Kulturgeschichte“ also entzifferbar als sich entfaltende Automation als „Objektivierung“, als Beherrschung von Produktionsvorgängen mit dem Ziel der relativen Entlastung einerseits und der Steigerung des „Outputs“ andererseits, mit dem letzten Entwicklungsziel der Erreichung einer Stufe der möglichst vollständigen Automation. In ähnlicher Weise hat der marxistische Wirtschaftswissenschaftler E. Mandel ein geschichtliches Entwicklungsziel in der Schaffung eines „Parks von automatischen Maschinen“ gesehen: „Wenn die Gesellschaft über einen Park automatischer Maschinen verfügt, der genügend groß ist, um ihren gesamten laufenden Bedarf zu decken, und wenn sie zusätzlich noch eine ausreichende Reserve an Mehrzweckwerkzeugmaschinen (!) besitzt, um unvorhergesehenen Ereignissen begegnen zu können, dann (…) [wird] ein von allen materiellen und wirtschaftlichen Sorgen freier Mensch geboren.“ (Mandel 1979:864) Vereinfachend wird man sagen können, dass hiermit im Kern ja auch die marxistische Sichtweise wiedergegeben ist, so weit die Evolution der Technik, der „toten Arbeit“, des Kapitals, gemeint ist; dieses Kapital musste nach Marx nun noch in einem „revolutionären Aneignungsprozess“ in Volkseigentum überführt werden, um in dem von Mandel bezeichneten Sinne nutzbar gemacht werden zu können. Das historische Resultat derartiger  Bemühungen liegt inzwischen bekanntlich vor. </p>
<p>Was diesen zitierten Sichten nun fehlte bzw. (noch) nicht in den Blick kommen konnte, war das Auftauchen dieser zweiten Entwicklungsdimension der Technik: eben nicht nur die Automation als Steigerung der Produktivität, sondern die gleichzeitige Fortentwicklung in der Dimension Flexibilität, und damit in Richtung Universalität. Damit kommt aber die geschichtliche Deutung der Technikevolution zu vollkommen anderen Zukunftserwartungen, als dies etwa im marxistischen Sinne der Fall gewesen ist, und allerdings auch zu anderen Zukunftserwartungen, als dies innerhalb des bestehenden marktwirtschaftlichen ökonomischen Paradigmas gegeben ist.                              </p>
<p><strong>(3) Abriss der Evolution von Wirtschaftssystemen</strong></p>
<p>Es kann an dieser Stelle nur eine sehr knappe Zusammenfassung möglich sein; die bestehenden Systematiken zur Erfassung evolutorischer Merkmale von Wirtschaftssystemen, Wirtschaftsordnungen oder -verfassungen können nicht umfassend diskutiert werden  (vgl. etwa die „Lange-Wellen-Theorien“ nach Kondratieff, Schumpeter, G. Mensch, E. Mandel; die Deutsche Historische Schule nach G. Schmoller und B. Hildebrandt; die marxistische Interpretation gesellschaftlicher Evolution; die Stadientheorie nach Keynes, die Pluralitätstheorie nach W. Mitscherlich, oder die Langfristperspektive nach Fourastié; vgl. Reuter 2000:99 ff.) Für den vorliegenden Zusammenhang soll es zunächst einmal hinreichend sein, wirtschaftliche Entwicklung als positiven Zuwachs an verfügbarem Güterreichtum zu verstehen: der gesteigerten Leistungsfähigkeit und Produktivität der Produktionssysteme steht natürlich als Ertrag ein gesteigertes Güterangebot, damit also prinzipiell gesteigerte Konsummöglichkeiten gegenüber. Diese in einer Volkswirtschaft verzehrbare Gütermenge konnte lange unproblematisch als „Wohlstand der Nationen“ verstanden werden, den es durch hohe industrielle Leistung, eine möglichst effiziente Faktorallokation, optimale Güterallokation sowie vielerlei wirtschaftspolitische Maßnahmen (etwa fiskalischer Art oder Maßnahmen zur Steuerung der Geldmenge) zu steigern galt. Mit Einsetzen der Industrialisierung hat sich in der großen Mehrheit der Industriestaaten die entwickelte Marktwirtschaft als das erfolgreichste Koordinierungsprinzip von Wirtschaftsaktivitäten durchgesetzt. Auf die vielfältigen wechselseitigen Verflechtungen zwischen inneren Werthaltungen der Menschen, wissenschaftlichen Entdeckungen sowie politischen und rechtlichen Veränderungen im Zuge der Entstehung des Kapitalismus hat etwa Max Weber hingewiesen (Weber 1991). </p>
<p>Der unproblematischen Wachstumsgläubigkeit der Früh- und Blütezeit des Kapitalismus stand ab den 1970er Jahren ein Auftauchen ökologischer wachstumsbegrenzender Befunde einerseits, sowie andererseits ein – möglicherweise – endogenes, sättigungsbedingtes Versiegen der Wachstumsimpulse und –dynamiken der früheren Epochen der Industrialisierung entgegen, die in den meisten Industriestaaten – mit exogen verursachten Schwankungen – bis in die späten 1970er Jahre angehalten hatte. Ohne nun hier in den unabgeschlossenen Diskurs um endogene oder exogene historische Wachstumsgrenzen eintreten zu wollen, sei darauf hingewiesen, dass etwa die Autoren der „Mass Customization“ eine Reihe von Phänomenen der jüngeren Wirtschaftsentwicklung zu den Entstehungsgründen der Mass Customization rechnen, die vernünftigerweise nur als Symptome einer eingetretenen Sättigung von Konsumbedürfnissen bei den Konsumenten bzw. der Märkte in vielen Branchen und Marktsegmenten verstanden werden können. Reichwaldt / Piller geben etwa als „Gründe für eine zunehmende Individualisierung der Nachfrage“ an: a) ein zunehmend hedonistisches Konsumverhalten, also nicht etwa Kauf zur – sparsamen – Befriedigung nicht aufschiebbarer und dringender Bedürfnisse, und b) einen Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt, mit zunehmender Markt- und Verhandlungsmacht des Konsumenten, dies offensichtlich wegen des verlagerten Anfangsinteresses: es sind nicht mehr mehrheitlich die Käufer auf der Suche nach dem Produkt, sondern mehrheitlich sind die Verkäufer auf der Suche nach dem Abnehmer. Durch diese grundlegend gewandelte Situation verschärfen sich die Wettbewerbsbedingungen der Unternehmen, die nun auch durch Maßnahmen wie das Angebot zur interaktiven Produktgestaltung die Bindung zum Kunden zu intensivieren suchen, und in der weiteren Konsequenz sich die Möglichkeit schaffen, gezielter die Kundennachfrage zu ermitteln und entsprechend gezielter bedienen zu können, und dadurch u. a. eine Minimierung der notwendigen Investitionen in sogenannte Slack-Ressourcen erreichen können (vgl. v. Eiff 1992:75 ff.), oder etwa sich den Status eines „Quasi-Monopolisten“ erarbeiten können und dadurch sich in die Lage versetzen Preiszuschläge durchsetzbar zu machen (Piller 2000:165).        </p>
<p>Zusammengefasst ließe sich daraus ableiten: eine zunehmende Sättigung der Märkte und daraus sich ableitende wachsende Käufermacht (sowie weitere, im Zuge beginnender Flexibilisierung und beginnender interaktiver Wertschöpfung erst entstehende, sowohl ermöglichende als auch erzwingende Gründe) zwingen den weiteren Fortschritt der Produktionstechnik in Richtung Produktivitätszuwachs mit gleichzeitigem Flexibilitätszuwachs. Offensichtlich lässt sich die einleitend genannte Technologie des UDF nun als produktionswissenschaftliches Paradigma verstehen, das das Potenzial bietet, sowohl Produktivität als auch Flexibilität bis hin zu einem nur denkbaren perfectissimum fortzuentwickeln: eine tatsächlich universale Fabrikationsmaschine böte eine schlechterdings nicht zu übertreffende Flexibilität (Losgröße 1), und käme diesem Ideal der gleichzeitig produktiven wie flexiblen Fabrik der Zukunft unvergleichlich nahe, sofern deren Leistungsfähigkeit, also die tatsächlich erreichte Produktionsgeschwindigkeit bei einer gegebenen zu erreichenden Qualität der Produkte und einem vergleichbaren Rohstoff- und Energieverbrauch auch tatsächlich mit industriell gefertigten Industrieerzeugnissen in jeder Hinsicht vergleichbar ist. Bezüglich der Erreichbarkeit eines solchen Reifegrades gehen gegenwärtig die Einschätzungen auseinander; aber diese Technologie bietet ein Zukunftspotenzial, das mit zunehmender Diskrepanz zwischen volkswirtschaftlich vorgehaltenen Produktionsmöglichkeiten bei Vollbeschäftigung und dauerhaft dahinter zurückbleibender Nachfrage von immer größerer Bedeutung sein könnte, nämlich eben diese Funktion, ein Produktionsmittel „des Volkes“ zu sein, woraus sich möglicherweise diese eingangs genannte gesellschaftliche Aufgabenstellung herleiten könnte, diese Technologie in Zukunft zu der erforderlichen Reife zu entwickeln.</p>
<p><strong>(4) Die regulative Idee des marktwirtschaftlichen Paradigmas  </strong> </p>
<p>In der ökonomischen Theorie hat die Pareto-Optimalität als Kriterium zur Bestimmung des Zustandes einer Volkswirtschaft das bis dahin vorherrschende utilitaristische Kriterium der größten Summe der individuellen Nutzen verdrängt. Mit Pareto-Optimalität sind Situationen gemeint, in denen es nicht möglich ist, durch eine Reallokation von Faktoren und/oder Gütern einzelne Verbraucher besser zu stellen, ohne dass andere schlechter gestellt würden. Dies bedeutet auch, dass die Produktionsfaktoren einer optimalen Verwendung zugeführt werden, was dann gilt, wenn a) ein Individuum gerade die Güter konsumiert, durch die sein Nutzen maximal wird, und b) die Grenzproduktivitäten der eingesetzten Faktoren gleich sind, also die größte mögliche Gütermenge produziert wird (vgl. Brümmerhoff 2007:102). Dies ist natürlich immer nur relativ zu den vorhandenen absoluten Produktionsmöglichkeiten zu sehen, d. h. im Falle einer technologisch oder durch Wissenszuwachs entstandenen Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten verändern sich die absoluten Größen des Pareto-Optimums einer Volkswirtschaft. Implizit enthält diese Definition die Annahme, dass entstehende Erweiterungen der Produktionsmöglichkeiten bzw. der Produktion auch immer durch erweiterten Konsum absorbiert werden, denn andernfalls entstünde entweder ein nicht absetzbarer Güterberg, oder eine erwartete Nachfragelücke führte mittelbar zu Unterbeschäftigung, also einer teilweisen Beschäftigungslosigkeit der Erwerbstätigen mit der Konsequenz von mittelbarem weiterem Nachfrageausfall. Die Vorstellung der Möglichkeit, technologisch entstehende Produktivitätszuwächse immer wieder durch wirtschaftliches Mengen- und/oder Qualitätswachstum kompensieren zu können, ist also dieser Definition von Optimum sozusagen inhärent und kann insofern als Bestandteil einer „regulativen Idee“ des marktwirtschaftlichen Paradigmas verstanden werden: Vorstellungen einer Begrenzung von Wachstum und Beschäftigung und eines stabilen stagnativen volkswirtschaftlichen Zustandes sind bis dato in der volkswirtschaftlichen Theorie innerhalb des marktwirtschaftlichen Paradigmas sehr umstritten (vgl. die theoretische Aufarbeitung des „Reifeproblems entwickelter Volkswirtschaften“ bei K. G. Zinn in (Zinn 1994, 1998, 2002); sowie seinen Hinweis auf die „Langfristprognose“ von J. M. Keynes aus 1943, in der Keynes sättigungsbedingte anhaltende stagnative Tendenzen ab den 1970er Jahren annahm, und entsprechende allgemeine Verkürzungen der durchschnittlichen Arbeitszeiten empfahl, um Vollbeschäftigung dennoch zu erhalten). Als „natürlicher“, wünschenswerter oder „gesunder“ Zustand eines marktwirtschaftlich verfassten dynamischen Systems ist viel eher die Vorstellung einer wachsenden Wirtschaft mit wachsenden Einkommensmöglichkeiten und ebenso wachsenden Konsummöglichkeiten intuitiv zugänglich, als die von endogenen oder &#8211; politisch umzusetzenden – exogenen Begrenzungen der Wirtschaftstätigkeit.. Oder sozusagen andersherum argumentiert: es ist leicht einsichtig zu machen dass eine sich erweiternde Schere zwischen Produktionsmöglichkeiten und tatsächlichem Konsum und Produktion die Selbststeuerungsfähigkeit der Marktkräfte systematisch überfordern würde (vgl. dazu ebenfalls Zinn 2002b; Ortlieb 2011; vgl. dazu ebenfalls die umfangreiche Diskussion der diversen Krisen der Finanzsektoren der jüngeren Vergangenheit, die häufig ebenfalls im Zusammenhang mit einer säkularen Nachfrage- und resultierenden Investitionsschwäche des produktiven Sektors verstanden werden). Innerhalb des marktwirtschaftlichen Paradigmas gilt als Basisannahme, dass in der Regel nur Einkommensbezieher als Konsumenten auftreten können, und Einkommensbezug ist in der Regel an Erwerbstätigkeit gebunden. In der Regel wird eine Person in etwa in dem Maße konsumieren können, also Leistung aus dem Wirtschaftskreislauf entnehmen, wie sie Leistung dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung gestellt hat, in der Regel im Rahmen einer geregelten Erwerbstätigkeit. Die Vorstellung eines dauerhaften und massiven Produktivitätsüberschusses ist dem marktwirtschaftlichen Paradigma sozusagen zuwider: „[..] es sei daran erinnert, dass eine quasi arbeitslose, nur noch mit Robotern betriebene Industrie unter den bestehenden Eigentumsverhältnissen zu völlig absurden, untolerierbaren sozialökonomischen Ergebnissen führen würde: Wer kauft dann eigentlich die Produkte? Der Warenaustausch fände sozusagen nur noch den Eigentümern der Roboter, also den Kapitaleignern statt. Die Masse der anderen Menschen wäre von einer solchen Wirtschaft ausgeschlossen und würde verelenden.“ (Zinn 1998:66)        </p>
<p><strong>(5) Die regulative Idee der UDF  </strong> </p>
<p>Zinn beschreibt hier eine Vorstellung von weitgehender, extremer Automation, wie sie durch den Verlauf der industriellen Entwicklung gängig war; auch ein ausgewiesener Fachmann für betriebliche IuK-Systeme und Automation von Produktionssystemen wie der (inzwischen emeritierte) Erlanger Professor P. Mertens, einer der Mitbegründer der Wirtschaftsinformatik in Deutschland, sah in dem „vollautomatisierten Betrieb, den kein Arbeitnehmer und keine Arbeitnehmerin mehr betreten muss“ die langfristig zu verwirklichende Zukunftsvision seines Faches, ohne jedoch dieses zwangsläufig innerhalb von Marktwirtschaften damit auftretende Nachfrageproblem zu benennen und zu problematisieren (Mertens 2006:42). </p>
<p>Wie in der bisherigen Argumentation aber gezeigt werden konnte, scheint sich der bisherige und weiter zu erwartende Verlauf der Technikevolution der aufmerksamen Beobachtung ganz anders darzustellen als hier erwartet: durch die verfolgte Fortschrittsrichtung in den beiden Dimensionen Produktivität und Flexibilität kommt es möglicherweise zu ganz andersartigen Produktionssystemen als etwa roboterisierten und vollautomatisierten Industriebetrieben, und diese von Zinn gestellte Frage nach den Eigentumsverhältnissen beantwortet sich möglicherweise auf eine ganz andere, und sehr natürliche Weise.  </p>
<p>Das Paradigma der UDF unterstellt universale, relativ kleine und kostengünstige Produktionssysteme, die aufgrund dieser konstruktiven und funktionalen Merkmale dazu gedacht und geeignet sind, sich im Besitz des Konsumenten zu befinden, also eines an den (vornehmlich) für den Eigenverbrauch produzierten Produkten dieser Maschine interessierten Verbrauchers. Es war ferner gesagt worden, dass es zu den konstruktiven Merkmalen dieser Maschine gehört, die Konstruktionsdaten des zu erzeugenden Produktes auszuwerten, diese Daten müssen der Maschine also zugeführt werden; gegenwärtig ist dies in vielen Fällen – wie beschrieben – über von einigen privaten Betreibern angelegte Datenbanken möglich. </p>
<p>Wie wäre nun die Pareto-Optimalität einer Volkswirtschaft zu definieren, unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit einer solchen Technologie, und zwar auf einem vorausgesetzten erreichten hohen Reifeniveau? </p>
<p>Pareto-Optimalität bedeutet: 1. jedes Individuum konsumiert die Güter, die ihm optimalen Nutzen stiften, und 2. es wird die größte mögliche Gütermenge produziert.  </p>
<p>Das Reifeniveau der UDF-Technologie sei nun so definiert, dass alle in einer vergleichbaren Volkswirtschaft produzierbaren Güter qualitätsgleich auch von Fabrikatoren produziert werden können, und dies in einer vergleichbaren Produktionsgeschwindigkeit, bei vergleichbarem Ressourcenverbrauch (Rohstoffe, Material, Energie). Jedem Haushalt steht ein Fabrikator zur Verfügung, und jeder Haushalt ist versorgt mit der erforderlichen Infrastruktur und hat Zugang zu den erforderlichen Ressourcen, sowie zu den erforderlichen Produktdatenmodellen. Die Produktdatenmodelle, wenn einmal geschaffen, stellen keine natürlicherweise knappe Ressource dar: sie können technisch beliebig oft kopiert, also vervielfältigt werden, ohne dass ihre Verfügbarkeit jemals Minderung erleiden würde; Beschränkungen der freien Verfügbarkeit wären allenfalls durch Rechtsmittel herzustellen. Es sei hier unterstellt, dass diese Produktdatenmodelle frei verfügbar sind. Energie und Rohstoffe unterliegen allerdings einer natürlichen Beschränkung der Verfügbarkeit, sie stellen also ein knappes Gut dar. Wenn nun unterstellt wird, dass die knappen Ressourcen Energie und Rohmaterialien auf alle Haushalte gleichmäßig – beispielsweise nach Kopfzahl – verteilt werden, dann wird eine in einer Volkswirtschaft produzierte Gütermenge auf jeden Haushalt so verteilt, dass sie ihm optimalen Nutzen stiftet: die Zusammenstellung des optimalen Güterbündels entspräche der vom Haushalt zu treffenden Auswahl der umzusetzenden Produktdatenmodelle, die jedem Haushalt innerhalb der bestehenden Energie- und Ressourcenbeschränkungen vollkommen frei steht. Die Güterallokation wäre optimal, aber offensichtlich nicht preisgesteuert, und die Faktorallokation wäre ebenfalls nicht preisgesteuert, aber effizient.  </p>
<p>Dies wäre sozusagen ein zentralgesteuertes Modell einer „idealen“ UDF-Ökonomie. Die Steuerungsfunktion umfasste zunächst lediglich die Verteilung der Ressourcen auf die Haushalte.  Die erreichte volkswirtschaftliche Zustand wäre gekennzeichnet durch erreichte Pareto-Optimalität, dies aber bei gleichzeitiger Minimierung des Arbeitsleids, also ohne Belastungen der Menschen durch Arbeitsmühen, und bei gleichzeitiger – definitionsgemäß nur technisch eingeschränkter – Sicherheit der Versorgung.  </p>
<p>Ließe sich der volkswirtschaftliche Zustand durch eine marktwirtschaftliche Organisation mit gewinnwirtschaftlich operierenden Akteuren verbessern? Jeder Besitzer eines Universalen Fabrikators träte damit nun als Produzent von Waren auf einem Markt auf, und suchte sein Produkt gewinnbringend zu veräußern. Dieser Versuch wäre offensichtlich aussichtslos unter den gegebenen Voraussetzungen: kein Produzent ist zunächst in der Lage, ein Produkt auf dem Markt anzubieten, dass jeder potentielle Käufer nicht selbst würde herstellen können. In einer statischen Betrachtung, die also das Vorhandensein einer hinreichenden Menge von Produktdatenmodellen und hinreichende Mengen an Energie und Ressourcen voraussetzt, könnte ein so beschriebener volkswirtschaftlicher Zustand offensichtlich durch Änderungen der Organisation nicht verbessert werden. Eine „vollautomatisierte“ Volkswirtschaft, also ein in einer ganzen Volkswirtschaft gegebener Zustand von gesicherter Güterversorgung für prinzipiell jeden Haushalt ohne die Erfordernis menschlicher Arbeitsleistung wäre nur auf diese Weise und mit Hilfe dieser Technologie möglich: denn nur so ist es möglich, vollkommen auf Tausch, Güterverkehr, Transportwege, Preissteuerung, auf Arbeitsteilung und Spezialisierung zu verzichten. Erst die erreichte Universalisierung der Produktion, die es erlaubt aus einem vollkommen homogenen Gut, aus Energie und – annähernd – eben so homogenen Rohstoffen am Ort des Verbrauchs das individuellen Nutzen stiftende Gut werden zu lassen, ermöglicht es, theoretisch den gesamten sekundären Sektor einer Volkswirtschaft vollständig maschinell ablaufen zu lassen: eine so vorgestellte „Volkswirtschaft“ käme eher selbst einer Maschine, einem großen systemischen universalen Automaten gleich. </p>
<p>Würde dies aber nun bedeuten, wie E. Mandel dies als marxistisch inspirierte Zukunftshoffnung formulierte, dass „ein von allen materiellen und wirtschaftlichen Sorgen freier Mensch geboren“ worden ist? In einem ersten Zugriff würde man diese Frage zunächst einmal zu bejahen haben, denn offenbar wären dem Menschen doch zumindest eine erhebliche Menge seiner materiellen Sorgen abgenommen. Aber damit ist ein möglicher, realer volkswirtschaftlicher Zustand unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit einer solchen Technologie auch bei einem derartig vorgestellten Reifegrad noch keineswegs hinreichend beschrieben; zum Beispiel wäre ja die Frage der Energieerzeugung und Verteilung zu lösen. Dennoch ist zunächst festzuhalten: ein vorstellbares Optimum eines volkswirtschaftlichen Zustandes auf der Grundlage dieser Produktionstechnologie, dieses Paradigmas der Produktion, muss eine solche Beschreibung enthalten. Das heißt: ein beschreibbarer volkswirtschaftlicher Idealzustand ist dann weniger gekennzeichnet von optimaler Güterallokation und effizienter Faktorallokation, bei fortbestehendem inhärentem Zwang zu perpetuiertem Produktmengenwachstum, sondern ist gekennzeichnet von optimaler Güterallokation, effizienter Faktorallokation, minimiertem Arbeitsleid und eher statischer gesamtwirtschaftlich produzierter Gütermenge.                </p>
<p>Handelt es sich hierbei nun um die eingangs erwähnten „höheren Produktionsverhältnisse“? Zur Beantwortung dieser Frage muss ein wenig von der bisherigen statischen Betrachtung abgewichen werden, und es muss sozusagen ein wenig mehr Realität im Modell zugelassen werden. Nach P. A. Samuelsen ist es „Aufgabe jeder Wirtschaftsordnung festzulegen was in welchen Mengen wie und für wen produziert werden soll.“ (Samuelson 1974:35) Bekanntlich obliegt in einem marktwirtschaftlichen System diese Aufgabe letzten Endes den Preisen: es gibt zwar sicherlich den Nutzen maximierenden Homo Oeconomicus, und das seinen Produktionsplan festlegende Unternehmen, aber alle ökonomischen Akteure sind an die Auswertung von Preisinformationen gebunden zur Erzielung des je individuellen Wohlfahrtsmaximums, bzw. das Unternehmen zur Erzielung eines „angemessenen“ Existenz sichernden Gewinns. Das Gesamtsystem aber hat keine Steuerungsfunktion: es kann weder die gesamtwirtschaftliche Outputmenge erhöht, noch gesenkt werden, noch kann inhaltlich auf die Produktion in größerem Umfang Einfluss genommen werden, also beispielsweise eine ökologisch erforderliche Produktions- und Konsumweise beschlossen und praktiziert werden, oder z. B. eine nachhaltigere, auf Dauerhaftigkeit der Produkte abzielende Konstruktion erreicht werden. Dies aber wäre in einer so vorgestellten Produktionsweise ausschließlich durch technische Restriktionen beschränkt, einem sich möglicherweise artikulierenden politischen Willen und Beschluss stünden prinzipiell und systematisch keine Widerstände im Wege. Zusammengefasst: das Prinzip der wirtschaftlichen Steuerung kann wesentlich mehr von einer systemisch-imperativischen anonymen marktrationalen Preissteuerung zu einer sprachrationalen, Rechtfertigungsansprüchen zugänglichen politischen Steuerung übergeleitet werden.              </p>
<p>Eine abschließende Bemerkung soll nun der Beachtung der Tatsache gelten, dass ja nicht die Gesamtheit aller wohlstandssteigernden wertschöpfenden Tätigkeiten einer Volkswirtschaft auf diese Weise mit derartig weitgehender maschineller Unterstützung geleistet werden kann; dass eine Reihe von Gütern (sehr große; Nahrungsmittel?) möglicherweise niemals auf diese Weise wird produziert werden können, und dass der Entwicklungspfad hin zu diesem Idealzustand nicht betrachtet worden ist &#8211; eine derartig konsequent statische Betrachtung entspricht aber nicht den Realitäten, so dass eine umfassende volkswirtschaftliche Betrachtung und Einordnung dieses Paradigmas und dieses technologischen Potenzials unbedingt in vollem Umfang noch zu leisten ist. Eine künftige Wirtschaftsordnung mit möglicherweise weitgehend maschinisiertem sekundärem Sektor wird zum größten Teil von tertiären Leistungen und Beschäftigungen ausgefüllt sein, und hier dürfte wegen der nicht zu ersetzenden Notwendigkeit des Austausches von Leistungen eine marktliche Koordination auch in Zukunft die größte Effizienz gewährleisten. Die vorgestellte weitgehende maschinelle und damit weitgehend mühe- und kostenlose Bedarfsdeckung im Bereich der Güterproduktion könnte in diesem größeren Kontext dann als eine Art von garantierter Basisleistung innerhalb eines gewissen – je technologisch erweiterbaren – Umfangs sicherlich eine nicht unerhebliche Erweiterung der Spielräume der Lebensgestaltung und der Fundierung der materiellen Sicherheit für die Menschen bedeuten, andererseits aber wohl auch nicht das umfassende materielle Konsumentenparadies, in dem beliebige Konsumwünsche jederzeit vollkommen leistungsfrei zur Verfügung stehen. Ebenso wenig werden damit alle zwischenmenschlichen Konflikte mit ökonomischer Wurzel gelöst sein: die auf dieser Welt schier unendliche Anzahl von Arten nichtvermehrbarer knapper Güter alleine wird schon dafür sorgen dass sich an einigen Grundtatbeständen des ökonomischen Universum so viel auch nicht ändern wird; es wird nicht ein von allen materiellen Sorgen freier Mensch geboren, aber – er wird doch immerhin einiger seiner materiellen Sorgen ledig sein können, ohne sich gleichzeitig ökologisch in eine Sackgasse begeben zu müssen. Das wäre doch schon ein Ziel, das allen Aufwand rechtfertigt.   </p>
<p>In der Zusammenfassung stellt sich die Situation so dar: das Symbol der Epoche der Industrialisierung war die Industriefabrik mit dem rauchenden Schlot, und das Projekt dieser Epoche bestand darin, diese „Maximumaufgabe“ zu lösen, nämlich die Produktionsmöglichkeiten und die Produktion bis an die historischen Sättigungsgrenzen heran zu führen und zu entwickeln. Das Symbol einer kommenden Epoche wäre dann diese kleine Universalfabrik, die sich im Schosse der Industriegesellschaft entwickelt, und das Ziel dieses Projektes, die Produktionsmöglichkeiten auf der Sättigungsgrenze – oder besser auf dem ökologisch verträglichen Niveau eines rationalen Produkts – dahingehend zu entwickeln, dass dieses Produkt voll maschinell erzeugt und zum Konsum zur Verfügung gestellt werden kann. Ein Inhalt der dann umfangreich möglichen tertiären Beschäftigungen könnte sein, eine neue Art von blühenden Landschaften zu realisieren, die dann eben nicht mehr mit diesem Symbol der vergangenen Industriegesellschaft verziert sein müssen, den rauchenden Schloten, und dem – stellvertretend für alle resultierenden Schadstoffeinträge der Industrieproduktion – dem dazu gehörenden Rauch. Hierzu müsste das dazu erforderliche Produktionssystem jenseits eines bestimmten kritischen Grades von vertikaler und horizontaler Durchdringung einer Volkswirtschaft schließlich sich im Kern und seinen zentralen Funktionsstücken in öffentlichem Eigentum und öffentlicher Verantwortung befinden, um überprivaten Eigentümern Kapitalerträge als Gebrauchswerte zur Verfügung stellen zu können, und die Sicherung seiner Funktionsfähigkeit würde zu einer hoheitlichen Aufgabe.                       </p>
<p><strong>(6) Praktische Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>Diese Technologie hat sich eine ganze Reihe von Wegen der Diffusion in die Praxis erschlossen, in Wirtschaft, Wissenschaft, in der Bildung, und auch zunehmend in öffentlichen über das Internet koordinierten Open-Source-Projekten; ein Beispiel wäre etwas das Ökonux-Projekt, das sich die Erforschung und Entwicklung einer nicht-marktlichen Wirtschaftsorganisation zur Aufgabe gemacht hat, und dies &#8211; nach der anfänglichen Beschränkung auf Software-Produktion – nun explizit auch mit dem Ziel der Einbeziehung von „Hardware“, womit hier eben Technologie zur Güterproduktion gemeint ist. Neil Gershenfeld hat schon ab 1998 die Fablab-Bewegung ins Leben gerufen, womit öffentlich zugängliche Räume mit einer Mindestausstattung von Infrastruktur zur maschinellen Güterproduktion gemeint sind (neben dem Fabber auch ein Lasercutter oder eine CNC-Maschine; Ziel ist sowohl das pädagogische der Heranführung dieser Ideen und dieser Technologie an interessierte und vor allem junge Menschen, als auch das praktische der Erzeugung von sonst unerschwinglichen Gebrauchsgütern, dies vor allem in wirtschaftlich unterentwickelten Weltgegenden). Bei F. T. Piller finden sich eine Reihe von Argumenten und Kriterien für einen wirtschaftlich attraktiven Einsatz dieser „Extrem-Customization“, die in der sich weiterentwickelnden Wirtschaft diese Technologie vorantreiben werden. Davon unabhängig hat sich Neil Gershenfeld öffentlich auf das ehrgeizige Ziel festgelegt, innerhalb der nächsten zwanzig Jahre eine Fabrikationsmaschine mit der Kapazität des – aus dem gleichnamigen Science Fiction Film bekannten – „Star Trek Replicators“ zu entwickeln (Gershenfeld 2008), womit also eine Maschine gemeint ist, die komplette funktionsfähige 1:1-Kopien von artifiziell hergestellten Dingen erzeugen kann, einschließlich ihrer selbst; sollte dies so erreicht werden, dürften die von einer derartigen Innovation ausgehenden ökonomischen Impulse nicht zu übersehen sein. </p>
<p>Der amerikanische Wissenschaftler Hod Lipson, einer der Autoren des Paradigmas des UDF, hat im Auftrag des „Whitehouse Office of Science &#038; Technology Policy“ einen Report erstellt, in dem er diese Entwicklungen als in ihrer Bedeutung ähnlich weit reichend wie die Entwicklung des Computers und der Computer- und Softwareindustrie ab den 1950er Jahren darstellt, und in dem er zu umfassenden Empfehlungen zur Förderung dieser Technologie in Wirtschaft und Gesellschaft kommt, wie eingangs bereits erwähnt (Lipson 2010). Lipson kommt zu folgenden Empfehlungen (Auszug):   </p>
<p>1. Einrichtung eines FabLab in jeder Schule<br />
2. Das Angebot von Lehrerausbildung in grundlegenden Design- und Fabrikationstechnologien<br />
3. Schaffung von Curricula mit Fabrikationskomponenten<br />
4. Schaffung von entsprechenden Lernangeboten außerhalb des schulischen Bereichs<br />
5. Verbreitung und Entwicklung von „Open Hardware“ Standards und Spezifikationen<br />
6. Entwicklung von standardisierten Dateiformaten für elektronische Muster-Design-Dateien<br />
7. Schaffung einer Datenbank für CAD-Dateien zur Benutzung von Behörden<br />
8. Schaffung eines „Innovations Forschungsprogramms“ für Do-It-Yourself-Unternehmer<br />
9. Steuerbefreiung für Unternehmen, die Basismaterialen für das Personal Manufacturing entwickeln </p>
<p>So weit die gekürzte Wiedergabe der Empfehlungen H. Lipsons. </p>
<p>Aus Sicht der hier entwickelten Argumentation schiene es wünschenswert, auch in politische langfristige Gestaltungskonzeptionen, die ja immer auch wirtschaftspolitische „Visionen“ enthalten, eine derartige Fernperspektive einfließen zu lassen bzw. in einen auch kürzer fristigen Gestaltungsplan zu integrieren, um Wege zu finden zur Befreiung aus der immer wieder aussichtslosen konzeptionellen Verpflichtung auf politische Ziele, die letztlich doch immer wieder mit der Idee wirtschaftlichen Wachstums verbunden sind, das es in diesem Sinne als Fortschrittskriterium so nie wieder mehr geben wird. </p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Anderson, C. (2010): In the Next Industrial Revolution, Atoms Are the New Bits. WIRED Magazine.<br />
   URL: http://www.wired.com/magazine/2010/01/ff_newrevolution<br />
Boeing, N. (2008): Die Marx-Maschine. In: der Freitag 02/2008.<br />
   URL http://www.freitag.de/2008/09/08091801.php<br />
Bopp, F. (2010): Rapid Manufacturing. Zukünftige Wertschöpfungsmodelle durch generative                    Fertigungsverfahren. Hamburg Diplomica Verlag.<br />
Bowyer, A. (2007): Interview in ZEIT ONLINE,<br />
   URL: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2007/02/Interwview-Adrian-Bowyer<br />
Bowyer, A. (2011): URL: http://reprap.org/wiki/Main_Page<br />
Brümmerhoff, D. (2007): Finanzwissenschaft. München 2007<br />
Burns, M. (1993): Automated Fabrication. Englewood Cliffs 1993<br />
Davidow, W. H., Malone, M. S. (1993): Das virtuelle Unternehmen. Der Kunde als Co-<br />
  Produzent.<br />
Dilba, D. (2011): Vom Plan zum Produkt. In: Technology Review 04/2011<br />
Easton, T.A. (2009): The Design Economy: A Brave New World For Businesses And<br />
Consumers, in: The Futurist, (Ausgabe Januar/Februar), S. 42-47.<br />
Fabathome (2011): URL http://www.fabathome.org/?q=node/2<br />
Fourastié, J. (1954): Die große Hoffnung des 20. Jahrhunderts. Köln 1954<br />
Fraunhover-Institut (2011):<br />
    URL: http://www.fraunhofer.de/de/institute-einrichtungen/verbuende-allianzen/Generative-<br />
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<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/12/von-einem-neuen-paradigma-der-produktion-zu-einem-neuen-paradigma-der-okonomie/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/12/von-einem-neuen-paradigma-der-produktion-zu-einem-neuen-paradigma-der-okonomie/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Neues von der Krise</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 14:16:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kürzlich gab es auf Telepolis mal wieder einen schönen erhellenden Artikel über die Krise, von der ja im Moment alle sprechen: Lohndumping, Hightech und Krise Der Artikel ist von Claus Peter Ortlieb, Professor für Mathematik an der Universität Hamburg, der sich gerne immer mal wieder zu ökonomischen Themen äussert, sehr kritisch insbesondere immer wieder zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Kürzlich gab es auf Telepolis mal wieder einen schönen erhellenden Artikel über die Krise, von der ja im Moment alle sprechen: </p>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36031/1.html" > Lohndumping, Hightech und Krise </a> </p>
<p>Der Artikel ist von Claus Peter Ortlieb, Professor für Mathematik an der Universität Hamburg, der sich gerne immer mal wieder zu ökonomischen Themen äussert, sehr kritisch insbesondere immer wieder zu der vorgegaukelten Solidität und Validität der so extrem mathematisierten und quantifizierten neo-klassischen Ökonomie.  </p>
<p>In diesem Artikel nun hat er in einigen wenigen schlichten Sätzen das ganze Dilemma der sich entwickelnden reifen und immer produktiveren Industriegesellschaften aufgezeigt: </p>
<blockquote><p>Bei der inzwischen &#8211; genau genommen bereits seit den 1980er Jahren &#8211; in der Landwirtschaft und der industriellen Produktion erreichten und weiter zunehmenden Arbeitsproduktivität genügt ein immer kleinerer Bruchteil der weltweiten Arbeitskraft, um für alle zu produzieren. Diese von ihr selbst induzierte Entwicklung hat die kapitalistische Produktionsweise &#8211; und mit ihr die von ihrem Funktionieren abhängige Menschheit &#8211; in eine Bredouille gebracht, aus der es innerkapitalistisch keinen Ausweg gibt. Hierin liegt der tiefere Grund der aktuellen Krise, die als immer höher sich auftürmende Schuldenkrise erscheint. </p></blockquote>
<p>Eigentlich klar oder? Immer weniger Menschen erarbeiten das was alle verbrauchen, und die die an der Produktion nicht beteiligt sind, müssen eben auf Pump konsumieren. Dies gilt sowohl innerhalb nationaler Volkswirtschaften, als auch auf internationaler Ebene, wo sich Beteiligtsein an der Produktion und Nicht-Beteiligtsein in den Aussenhandelsbilanzen zeigt: die Länder die produzieren, haben positive Bilanzen, und die anderen negative. </p>
<p>Was ich an der ganzen Entwicklung spannend finde: mit der ökonomischen Brille gesehen wird das ganze technische Geschehen innerhalb der Produktivkräfte nur als Steigerung der Produktivität entziffert. Das ist eben einer der wichtigen Faktoren, dessen weitere Entwicklung diese unheilvolle Kulmination erwarten lässt: mit der steigenden Arbeitsproduktivität wird die geleistete Arbeit der einen immer mehr &#8211; so dass eben immer weniger Menschen dazu gebraucht werden, diese Arbeit zu leisten. Die anderen machen Schulden, aber &#8211; das geht nicht ewig so weiter. </p>
<p>Was den Ökonomen aber nicht in den Blick gerät: die Technik, insbesondere die sogenannte Informations- und Kommunikationstechnologie, die Informatik mit allem was dazu gehört, auch z. B. die Robotik, entwickelt sich nicht nur in Richtung steigender Produktivität, sondern auch in Richtung steigender Flexibilität, was an sich eine konfligierende Grösse ist (je flexibler ein Produktionsprozess, um so schwieriger ist es, ihn auch sehr produktiv zu gestalten), aber die Marktverhältnisse zwingen die Unternehmen dazu, in diese simultan ebenso flexiblen wie produktiven Produktionsprozesse und -techniken zu investieren. Dadurch ist engere und intesivere Kundenbindung möglich! das bedeutet nämlich dem Kunden die Möglichkeit anzubieten, &#8220;sein&#8221; Produkt immer mehr nach eigenen Wünschen und Ideen mitzugestalten. </p>
<p>Und im Extrem ist diese Entwicklung genau die, die ich hier schon seit Jahren beschreibe: die flexibelste, also universalste und produktivste Fertigungsmaschine die man sich denken kann ist eben der &#8220;Universal Desktop Fabricator&#8221; &#8211; vorausgesetzt nur das Ding kann wirklich das was man sich davon versprechen mag, es muss die Technik eben reif und leistungsfähig sein, die erzielbare Produktivität bei gegebener Universalität muss hoch genug sein. </p>
<p>Das ist die Krux mit all diesen Krisen-Analysen, die das innerkapitalistisch unlösbare Krisenszenario heraufziehen sehen: sie können dann nie genau oder wenigstens annähernd klar sagen, was denn &#8220;ausserkapitalistisch&#8221; für ein Lösungsszenario denkbar sein könnte. </p>
<p>Ich weiss es auch nicht so genau, aber ich weiss dass diese universalen Produktionsmaschinen, die der Kapitalismus gewissermassen auf dem Sterbelager noch unter Schmerzen gebiert, dass diese Maschinen eine tragende Rolle spielen werden in diesem sich aus dem geschichtlichen Nebel langsam herausbildenden nachkapitalistischen Lösungsszenario. </p>
<p>Zum Kapitalismus gehörte die grosse stinkende Waren produzierenden Spezialfabrik, zu dem was dann kommt gehört die kleine (vielleicht auch ein wenig stinkende??) direkt Gebrauchswerte produzierende Universalfabrik. </p>
<p>Rundherum gibt es dann die staunenden und sich schöpferisch um den übrigen Kram kümmernden Menschen.   </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/12/neues-von-der-krise/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/12/neues-von-der-krise/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>The Future of Personal Manufacturing</title>
		<link>http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/the-future-of-personal-manufacturing/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 19:41:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hod Lipson ist Professor an der Cornell-Universität in Ithaca, USA. Er hält in diesem kleinen Video einen Vortrag auf der Maker Faire in New-York, die vom 16. bis 18. November stattgefunden hat. Unglaublich was dieser Mann erzählt (man muss vorher 12 Sekunden Werbung ertragen!): The future of personal manufacturing Das klingt als sei es nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Hod Lipson ist Professor an der Cornell-Universität in Ithaca, USA. Er hält in diesem kleinen Video einen Vortrag auf der Maker Faire in New-York, die vom 16. bis 18. November stattgefunden hat.<br />
Unglaublich was dieser Mann erzählt (man muss vorher 12 Sekunden Werbung ertragen!):  </p>
<p><a href='http://fora.tv/2011/09/17/FabHome_and_the_Future_of_Personal_Manufacturing/' >The future of personal manufacturing</a></p>
<p>Das klingt als sei es nicht mehr weit bis zum Star Trek Replicator, oder sogar zu etwas noch besserem, intelligenterem. Eine Maschine, mit der man interaktiv und in kreativen Iterationen sozusagen seine Ideen entwickeln kann, die einem Ideen aus dem Hirn saugt, sich herantastet an das was einem vorschwebt, und dann sagt na ja das könnte so gehen oder so, ein paar Visualisierungen gefällig, ein paar Simulationen, und dann geht man langsam in die Entwürfe und die konstruktive CAD-Phase, und dann und dann und dann&#8230; der rote Knopf &#8211; GO! &#8230; und nach so einer gewissen Geburtszeit wandert ein Roboter aus dem 3D-Drucker. Für mich dürfte das auch ein geiler Röhren-Kombo sein, oder eine Tür für meine Spülmaschine, oder ein E-Bike. Wahnsinn. Mir gefällt das verdammt gut. Wenn man diesen Burschen zuhört, kann man glatt glauben dass diese Welt noch eine Zukunft hat.  </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/the-future-of-personal-manufacturing/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/the-future-of-personal-manufacturing/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine neue regulative Idee für die Ökonomie</title>
		<link>http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/eine-neue-regulative-idee-fur-die-okonomie/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 07:03:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was ist eine regulative Idee? Eingeführt hat den Begriff Immanuel Kant, und gemeint ist damit eine Idee, eine Vorstellung, die gewissermassen Richtung weisend ist, aber ein im geschichtlichen Raum nicht vollständig erreichbares oder realisierbares Ziel darstellt; man kann auch sagen sie ist ein Ideal, so wie die geometrischen Figuren (Kreis, ausdehnungsloser Punkt, unendliche Gerade) nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Was ist eine regulative Idee? Eingeführt hat den Begriff Immanuel Kant, und gemeint ist damit eine Idee, eine Vorstellung, die gewissermassen Richtung weisend ist, aber ein im geschichtlichen Raum nicht vollständig erreichbares oder realisierbares Ziel darstellt; man kann auch sagen sie ist ein Ideal, so wie die geometrischen Figuren (Kreis, ausdehnungsloser Punkt, unendliche Gerade) nicht vollkommen realisierbar sind; im Bereich des Gesellschaftlichen wäre das der &#8220;ewige Friede&#8221; Kants, oder später die Vorstellung der &#8220;idealen Kommunikationsgemeinschaft&#8221; der Diskursethik.  </p>
<p>In der Ökonomie wäre dies die Vorstellung der Pareto-Optimalität. Pareto-Optimalität ist also die Beschreibung eines &#8220;idealen&#8221; Zustandes einer Volkswirtschaft. Dieser Zustand ist so definiert: die Produktionsfaktoren sind einer optimalen Verwendung zugeführt, und das ist dann der Fall, wenn 1) ein Individuum genau die Güter konsumiert, durch die sein Nutzen maximal wird (Tauschoptimum), und 2) die Grenzproduktivitäten der eingesetzten Faktoren gleich sind (optimaler Faktoreinsatz), wodurch sichergestellt ist, dass die größte mögliche Gütermenge erzeugt wird. </p>
<p>Als regulative Idee leitet sich daraus ab: die Ökonomie soll so eingerichtet sein, dass die grösste mögliche Gütermenge erzeugt wird, und jedes Individuum soll in die Lage versetzt werden, die ihm maximalen Nutzen stiftenden Güter zu konsumieren. Die grösste mögliche Gütermenge ist in dieser Beschreibung natürlich kein statischer Begriff: die bezogen auf die Grenzproduktivitäten der eingesetzten Produktionsfaktoren grösste mögliche Gütermenge ist natürlich gemeint, und wenn &#8211; etwa durch technischen Fortschritt &#8211; die Produktivitäten der Faktoren steigen, soll auch die erzeugte Gütermenge steigen. Für diese gesamte volkswirtschaftlich erzeugte Gütermenge ist in keiner volkswirtschaftlichen Theorie eine absolute fixe Obergrenze definiert &#8211; implizit wird angenommen, dass diese Gütermenge ad infinitum wachsen soll. Jedenfalls ist so eine Beschreibung einer Obergrenze der ökonomischen Theorie bis dato insoweit extern.  </p>
<p>Wenn es eine solche Grenze aber doch gibt? Eine Grenze des gesamtwirtschaftlichen Produkts, das sich daraus ergäbe, dass &#8211; nach dem Ersten Gossenschen Gesetz &#8211; der Gesamtnutzen eines Gutes mit jeder zusätzlich konsumierten Einheit abnimmt, bis der Bedarf an diesem Gut als gesättigt betrachtet werden kann, durch den Konsum einer zusätzlichen Einheit dieses Gutes also kein Nutzenzuwachs mehr realisierbar ist. Wenn man annimmt, dass ganze Volkswirtschaften in ein Stadium geraten können, in dem die gesamte Nachfrage sättigungsbedingt sich auf ein Niveau unterhalb der Produktionsmöglichkeiten bei Vollbeschäftigung zu bewegt &#8211; dann liesse sich so eine Grenze jedenfalls in ganz groben Umrissen möglicherweise empirisch erheben. Das würde dann zur Folge haben, dass die vorhandenen Produktionsfaktoren &#8211; und darunter die menschliche Arbeit &#8211; nicht mehr optimal beschäftigt werden können. Darauf haben bestehende ökonomische Modelle bislang leider keine überzeugende Antwort.  </p>
<p>Es gibt eine wichtige Voraussetzung für dieses Verständnis vom Optimum eines volkswirtschaftlichen Zustandes: nämlich die, dass Produkt und Konsument über den Markt zueinander finden, dass sie also vor der Entstehung des Produktes noch gar nicht voneinander wissen, also dieses Produkt für den anonymen Marktabnehmer gefertigt wird, und der Abnehmer dieses Produkt auf einem freien Markt zu einem frei am Markt gebildeten Preis kauft; die freie Preisbildung spielt unter diesen Voraussetzungen als Steuerungsinstrument von Güter- und Faktorallokation offensichtlich eine zentrale Rolle. </p>
<p>Es gehen in diese Annahme &#8211; dass Güter und Faktoren über den Markt allokiert werden müssen &#8211; bestimmte Annahmen bezüglich der technischen Beschaffenheit der Produktionsfaktoren ein, nämlich die, dass die Produktivitäten der Faktoren a) notwendig begrenzt sind, und b) dass zur Steigerung der Produktivitäten Spezialisierungen der Produktionsfaktoren notwendig sind, zum einen im Sinne von Professionalisierung der Arbeit, und zum anderen von Spezialisierung der Verfahren und der Anlagen und Maschinen. Wenn nun aber technische Möglichkeiten entstehen, die es erlauben würden, auf diese Spezialisierungen zu verzichten? Also Produktionsmittel, die in diesem Sinne universale Produktionsmöglichkeiten bieten? Wenn es möglich ist auf Produktionsfaktoren zuzugreifen, auf Produktionsmittel, die die technische Kapazität besitzen, das gesamte für einen Konsumenten optimal nutzenstiftende Güterbündel herzustellen, und sich dann noch im Besitz des Konsumenten befinden, dann &#8211; stünde gewissermassen die gesamte bisherige wunderbar mathematisch modellierte ökonomische Gleichgewichtstheorie auf dem Kopf.              </p>
<p>Es ist nun ja so, dass derartige Universale Fabrikationsmaschinen sich in der Entwicklung befinden, und nach einigen optimistischen Schätzungen könnte damit zu rechnen sein, dass innerhalb der nächsten zwanzig Jahre ein Stadium erreicht wird, in dem diese Maschinen die Kapazitäten des sog. Star-Trek-Replicators erreichen: sie können beliebige physische Gegenstände replizieren, also kopieren, einschliesslich einer Kopie von sich selbst. </p>
<p>Kann man das nun mal einfach glauben? Man kann es &#8211; das wäre sehr unwissenschaftlich! &#8211; nun sicher nicht einfach glauben. Aber: man sollte a) schon zur Kenntnis nehmen, dass es gegenwärtig eine Forschung und Entwicklung derartiger Universaler Fabrikationsmaschinen gibt, und b) sollte man auch zur Kenntnis nehmen, dass die Entwicklung derartiger universaler Fabrikationsmaschinen vernünftig ist, rational: die reale Entwicklung der Technik auf der einen Seite, und die reale Entwicklung der Ökonomie auf der anderen Seite (eben Sättigung vieler Märkte, keine Absatzchancen für Massenprodukte) zwingt geradezu dazu, Produktionsprozesse in diese Richtung weiterzuentwickeln, also sie mehr und mehr zu flexibilisieren, und immer mehr in Richtung des Konsumenten zu verlagern sozusagen, die Bindung zwischen Produzent und Konsument immer enger zu gestalten. Das Maximum oder Optimum einer solchen Entwicklung sind offensichtlich Fabrikationsmaschinen, die vollkommen universal fabrikationsfähig sind, und die sich direkt im Zugriff des Konsumenten befinden, die es also erlauben würden, dem Konsumenten jederzeit genau dieses ihm seinen maximalen Nutzen stiftende Güterbündel herzustellen. </p>
<p>Also: als regulative Idee sollte die Ökonomie derartige Produktionssysteme durchaus einmal in ihre Modellbildung aufnehmen. Dann gelangte man zu einer ganz anderen Beschreibung des Pareto-Optimums (das dann auch nicht mehr unbedingt Pareto-Optimum heissen müsste): nämlich zu a) Tauschoptimum, b) optimalem Faktoreinsatz, und c) minimalem Arbeitseinsatz. Also: optimale Versorgung, aber ohne menschliche Arbeit! </p>
<p>Das wäre nun neu in der menschlichen Geschichte. Richtig ist, dass marxistisch dergleichen ja durchaus auch angedacht worden ist, wenn man das so sagen kann, bei marxistischen Ökonomen wie Ernest Mandel jedenfalls gab es die Vorstellung von &#8220;Parks von automatischen Maschinen&#8221;, in genügendem Umfang, um den gesamten Bedarf einer Volkswirtschaft zu decken. Das hat sich so &#8211; genau so &#8211; offenbar nicht erfüllt. Diese Idee aber nun &#8211; kleine, universale Fabriken &#8211; war damals, bevor sie dann tatsächlich entstanden, nicht vorstellbar. Diese Maschinen, genau diese Technik, ist aber offensichtlich der Schlüssel, die kapitalistische Warenproduktion in diesem Sinne &#8211; jedenfalls als regulative Idee &#8211; zu überwinden. </p>
<p>Die Ökonomie hätte hinreichenden Anlass, diese technischen Entwicklungen nun auch genügend zur Kenntnis zu nehmen.                  </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/eine-neue-regulative-idee-fur-die-okonomie/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/eine-neue-regulative-idee-fur-die-okonomie/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Marx-Maschine und gesellschaftliche Emanzipation</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 19:27:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[creative commons]]></category>
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		<description><![CDATA[Gerade las ich noch einmal einen inzwischen über 3 Jahre alten FREITAG-Artikel von mir, dem die Redaktion damals einen etwas reisserisch aufgemotzten Titel verpasst hat. Das entstand so: am Schluss habe ich eigentlich eher im Scherz die Erwartung ausgesprochen, dass diese &#8220;Marx-Maschine&#8221; &#8211; also Fabber, etwa in der Gestalt des RepRap Mendel oder des Makerbot [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Gerade las ich noch einmal einen inzwischen über 3 Jahre alten FREITAG-Artikel von mir, dem die Redaktion damals einen etwas reisserisch aufgemotzten Titel verpasst hat. Das entstand so: am Schluss habe ich eigentlich eher im Scherz die Erwartung ausgesprochen, dass diese &#8220;Marx-Maschine&#8221; &#8211; also Fabber, etwa in der Gestalt des RepRap Mendel oder des Makerbot &#8211; zu einer &#8220;Killer-Applikation&#8221; werden würden, ein inzwischen gestorbener Begriff aus dem Marketing, der nichts anderes meinte als das etwas ist was jeder haben will, und man geradezu blindwütig darauf versessen ist. So ist es dann doch noch nicht geworden, obwohl die Makerbots und die Mendels recht populär sind inzwischen. Ich will doch noch einmal auf diesen Artikel hier verlinken: </p>
<p><a href="http://www.freitag.de/2008/16/08161801.php">Marx-Maschine und gesellschaftliche Emanzipation</a></p>
<p>Eigentlich gab es da schon eine ganze Menge Denkstoff: wie Marx das gesehen hat mit den neuen Produktionsmitteln, wie Ernest Mandel das gesehen hat, den ja heute kaum noch jemand kennt, und wie das die &#8211; aus der Sicht der Marxisten &#8211; bürgerlichen Ökonomen sehen und gesehen haben: Frank T. Piller, der Vertreter der &#8220;Mass Customization&#8221; in Deutschland zum Beispiel, der so schön beschreiben kann wie der reife Kapitalismus mit seiner &#8220;Überproduktivität&#8221; und den vielfach gesättigten Märkten (&#8220;Konsum-Hedonismus&#8221;, &#8220;Käufermarkt&#8221;) die Industrie dazu treibt, die Konsumenten immer mehr zum Produzenten zu machen. Und die ihre Sicht auf die Verwendung dieser neuen Marx-Maschinen &#8220;Extrem-Customization&#8221; getauft haben. Und gleichzeitig brodelt das aus einer ganz anderen Richtung ganz mächtig: überall entstehen Open Hardware Projekte, neue FabLabs, und entsteht so langsam so etwas wie Makrowikinomics, ganz von unten, und was die Industrie dazu zu sagen hat, ist denen egal. So muss das dann mal irgendwann zusammen wachsen, damit zusammenwächst, was zusammengehört, und irgendwann &#8211; puh! &#8211; zündet was ganz heftig.    </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/wird-die-marx-maschine-die-kapitalismus-killer-applikation/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/wird-die-marx-maschine-die-kapitalismus-killer-applikation/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 20:09:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Kultur und digitale Güter]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen, Worte und Zwischenmenschliches]]></category>
		<category><![CDATA[Rund um Schillerwelt I/O]]></category>
		<category><![CDATA[Krise des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturkritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die aufregenden faszinierenden Möglichkeiten der Menschheit, der menschlichen Geschichte auf diesem Planeten sind die Entdeckungen unentdeckter Wahrheiten, die Verwirklichung unverwirklichter Möglichkeiten, die Entdeckung nie zuvor gefühlter Gefühle, nie gesehener Perspektiven, nie gesehener Dinge und Erfindungen, nie erreichter Schöpfungen in Kunst und Wissenschaft und der Fertigkeiten der Hände und des Körpers, aber nicht die Verbuchung nie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die aufregenden faszinierenden Möglichkeiten der Menschheit, der menschlichen Geschichte auf diesem Planeten sind die Entdeckungen unentdeckter Wahrheiten, die Verwirklichung unverwirklichter Möglichkeiten, die Entdeckung nie zuvor gefühlter Gefühle, nie gesehener Perspektiven, nie gesehener Dinge und Erfindungen, nie erreichter Schöpfungen in Kunst und Wissenschaft und der Fertigkeiten der Hände und des Körpers, aber nicht die Verbuchung nie zuvor gesehener Zahlen auf Kontenständen. </p>
<p>Das heisst: mit dem Kapitalismus läuft was schief. Der Kompass klebt auf ner falschen Position fest. Der Sensor für die Richtung ist verbrannt. </p>
<p>Es geht noch um mehr: Heimat, Frieden, Liebe, dass wir uns allen gegenseitig unverwandt ins Gesicht sehen können. Rund um die Welt! alt und jung, Mann und Frau, Eltern und Kind, Mensch und Tier. Das wäre schön. Könnte gehn.   </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/sinn/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/09/sinn/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kollaps und Hyperproduktivität</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 13:36:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
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		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Mann hat so recht: Politik in der Krisenfalle Man kann ja noch streiten ob das nun Hyperproduktivität genannt sein soll: das klingt ja so als sei das ne Art Krankheit wie hyperaktive Kinder, da gibts Therapie und rosa Pillen, und dann wirds wieder normal mit der Produktivität. Aber es ist einfach die im Verlauf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Der Mann hat so recht: </p>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35303/1.html">Politik in der Krisenfalle</a></p>
<p>Man kann ja noch streiten ob das nun Hyperproduktivität genannt sein soll: das klingt ja so als sei das ne Art Krankheit wie hyperaktive Kinder, da gibts Therapie und rosa Pillen, und dann wirds wieder normal mit der Produktivität. Aber es ist einfach die im Verlauf des ganz normalen und gesunden technischen Fortschritts möglich gewordene Produktivität bei Vollbeschäftigung. Das ist für unseren durchschnittlichen Konsumhunger einfach eben halt zu viel. Aber da es keine Spielregeln gibt im Kapitalismus, da geregelt auf die Bremse zu treten, kommt es zu all diesen komischen Erscheinungen, Hektik und Überschuldung und monströse Finanzgebirge. </p>
<p>Raus kommt man da nicht durch Politik alleine, sag ich ja. </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/kollaps-und-hyperproduktivitat/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/kollaps-und-hyperproduktivitat/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Common Stadtwerke für (fast) alles</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 10:54:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
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		<description><![CDATA[Im April-Heft der Technology Review gab es ja einen Schwerpunkt zum Thema Rapid Manufacturing oder Additive Manufacturing, wie man nun wohl häufiger sagt. Sehr schöner Überblick über das, was inzwischen schon so alles geht &#8211; Lichtgedichte vom Laser z. B. gefällt mir so gut! &#8211; und was grad in der Pipeline ist, und auf die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Im April-Heft der Technology Review gab es ja einen Schwerpunkt zum Thema<br />
<a href="http://www.heise.de/tr/artikel/Rapid-Manufacturing-1211350.html">Rapid Manufacturing<a/> oder Additive Manufacturing, wie man nun wohl häufiger sagt. Sehr schöner Überblick über das, was inzwischen schon so alles geht &#8211; Lichtgedichte vom Laser z. B. gefällt mir so gut! &#8211; und was grad in der Pipeline ist, und auf die Perspektiven dieser Technik, also: wo sind die Nadelöhre, wo sind die Herausforderungen. Als wichtige Herausforderung wird unter anderem wohl die Schnittstelle zwischen Mensch &#8211; als Konsument in der Rolle des Produzenten, des Produkt-Entwicklers &#8211; und Maschine gesehen. Es ist ja so bei der Additiven Fertigung, dass zunächst dieses STL-File erstellt werden muss, also der maschinenlesbare Entwurf dessen, was man herstellen will. Und das ist ja ein enorm anspruchsvoller Vorgang, man muss über all das genauestens Bescheid wissen, die konstruktiven Eigenheiten und Anforderungen, die Beschaffenheit des Materials, erforderliche Festigkeit, Biegsamkeit, Belastbarkeit&#8230; lauter Dinge von denen man keine Ahnung hat und haben muss, wenn man in ein Geschäft geht und sich etwas kauft, beispielsweise einen Laufschuh, zum Rennen. Nun können natürlich solche Entwürfe gewissermassen vorgefertigt werden und irgendwo abgelegt, wo man sie sich dann herunterlädt und dann ein wenig &#8211; oder ein wenig mehr &#8211; &#8220;editieren&#8221; kann, also an die eigenen Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse &#8211; etwa die Form der Füsse, wenn es sich um Schuhe handelt &#8211; anpassen. </p>
<p>Frank T. Piller, Professor an der RWTH Aachen und einer der weltweiten Vordenker der &#8220;Mass Customization&#8221;, sieht in der &#8220;Gestaltung des Lösungsraumes&#8221; eine der zentralen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um diese Technik wirklich in der Breite nutzbar und erfolgversprechend werden zu lassen. Man muss Möglichkeiten finden, dem Nutzer einerseits dieses Meer der Möglichkeiten vor Augen zu führen, das ihm mit dieser Technik zur Verfügung steht, andererseits darf er darin aber auch nicht ertrinken! Er muss auch erkennen können, wo die Grenzen der Möglichkeiten sind; die physischen oder physikalischen Anforderungen des Entwurfs oder seines Wunsch-Designs muss so eine interaktive Lösung also einerseits &#8220;kennen&#8221;, das Wissen muss also darin implementiert sein, andererseits muss sie es dem Nutzer anschaulich darstellen und erkennbar machen können. Wahrhaftig eine Herausforderung an das Software-Engineering! Beispielsweise müsste er seinen Entwurf in der geplanten Funktion simulieren können, es muss ihn also nicht nur vor sich sehen, sondern ihn auch in &#8220;Action&#8221; erleben können, und mögliche Schwächen im Entwurf entdecken und behebn können&#8230; gewaltig.   </p>
<p>Ein weiteres ganz wichtiges Element des Additive Manufacturung sind natürlich die Materialien, die Baustoffe&#8230; Hier wird gegenwärtig offenbar ebenso intensiv geforscht wie an den Verfahren selber; zum Teil ist es ja auch so dass die Materialien bestimmte Verfahren auch erzwingen, das muss also aufeinander abgestimmt sein. In dem Heft wird zum Beispiel beschrieben, wie ein bestimmtes Stahlpulver auf eine ganz bestimmte Weise beim Laser-Sintern behandelt werden muss, nämlich so dass der Laser in einem 67°-Winkel auf das Pulver auftrifft &#8211; weil dadurch bestimmte Eigenschaften erzielt werden können, wie zum Beispiel die erwünschte Härte und Festigkeit, aber ohne Verlust der Elastizität.    </p>
<p>Aber doch, trotz aller speziellen Schwierigkeiten und der grossen Varianz der gegenwärtig verfügbaren Maschinen, Materialien und Verfahren: wie das auch in diesem Heft vorhandene Interwiew mit Neil Gershenfeld, dem &#8220;Vater&#8221; der FabLabs in der ganzen Welt und einem der Pioniere der &#8220;Persobal Fabrication&#8221;, handelt es sich im Prinzip um Variationen der &#8220;digitalen Fabrikation&#8221;, um &#8220;Universal Desktop Fabrication&#8221;, wie ein wissenschaftlicher Artikel zu dem Forschungsgebiet überschrieben ist. Und das bedeutet nichts anderes als: prinzipielle Universalisierung, und damit prinzipielle Homogenisierung der Verfahren, der Maschinen, und der Materialien, und &#8211; nahezu grenzenlose &#8211; Individualisierung erst im Produkt: werkzeuglose, vollmaschinelle Fertigung in der Losgrösse 1. </p>
<p>Während nun viele Autoren hier bei der theoretischen Basisforschung zur Additiven Fertigung davon ausgehen, dass es sich bei diesem Prozess tatsächlich um &#8220;Addition&#8221; von kleinsten und allerkleinsten Bauteilen handelt, die &#8220;selber&#8221; dazu keinen aktiven Beitrag leisten, forscht Gershenfeld an Materialien, die &#8220;intelligent&#8221; sind, die also Logik und maschinelle Intelligenz beherbergen, mit dem Ziel, eines Tages sich selbst zu einem grösseren Ganzen formende Materialien zu besitzen, die &#8211; analog der biologischen organischen Zelle &#8211; wachsen und auf diese Weise Dinge &#8220;fabrizieren&#8221; können. Gershenfeld rechnet innerhalb der nächsten 20 Jahre damit, in diesem Sinne digitale Materialien verfügbar zu haben. </p>
<p>So oder so: es habdelt sich in beiden Fällen um &#8220;digitale Fabrikation&#8221;, was eben auch bedeutet mit diskreten und universalen Einheiten oder Grundbausteinen zu operieren, und hier sieht Gershenfeld &#8220;so eine Art Mikro-Lego&#8221; am Horizont seiner Forscher-Träume, also Bausteine, die universal verwendbar sind und sich zu beliebigen Dingen &#8211; &#8220;almost anything&#8221; &#8211; zusammensetzen lassen. Und nicht nur das &#8211; ebenso auch wieder auseinandernehmen lassen, das Material bleibt als solches also &#8211; wie das Vorbild Lego-Stein &#8211; für weitere Verwendungen verfügbar, was ja mit Blick auf ökologische Erfordernisse ja mit einem Schlag all diese Probleme mit der Umweltmüll, genauso wie Ressourcenknappheit erledigen würde&#8230;man mag ja kaum so recht gleich dran glauben, zu schön um wahr zu sein, sagt hier die skeptische innere Stimme der Vernunft. Man wird sehen. </p>
<p>Festhalten können wir allerdings: die zentralen Prinzipien sind 1) Universalität, und 2) Homogenität. An was erinnert uns das denn nun? </p>
<p>In diesem gleichen Heft der Technolgy Review gibt es ein &#8220;historisches Gespräch&#8221;, ein fiktives Interview mit Oskar von Miller, einem Ingenieur, der zwischen 1855 und 1934 in München gelebt hat und dessen bleibender Verdienst darin besteht, die Elektrifizierung in Deutschland vorangetrieben zu haben. Es ist wahrhaftig interessant sich das noch einmal vor Augen zu führen, dass die Menschen ja damals von den Vorteilen der Elektrizität überzeugt werden mussten, dass man damals bei Elektrizität nur an das Licht dachte, und Oskar von Miller Überzeugungsarbeit leisten musste um klar zu machen dass sich ja auch Elektromotoren so betreiben lassen&#8230; und dass die Elektrizität damals in Hinterhöfen von kleinen Generatoren, angetrieben von Dampfmaschinen, erzeugt wurde. Oskar von Scwemmer hat die Grundlagen dafür gelegt, dass die Elektrizität zentral in Kraftwerken erzeugt und von da über Leitungen in die Haushalte verteilt worden ist. Erst so war es möglich, die Elektrizität und ihre Nutzung zu einem festen Kulturbestandteil werden zu lassen, zu einer festen und kalkulierbaren Grösse, auf die sich all die zahllosen Erfindungen und Innovationen stützen konnten, die als Energiequelle die jederzeitige Verfügbarkeit elektrischer Energie voraussetzen. </p>
<p>Wegen der enormen Wichtigkeit dieser Energiequelle und der Wichtigkeit der Tatsache, dass sie auch zuverlässig und jederzeit in der erforderlichen Menge verfügbar ist, für private Haushalte ebenso wie für die Industrie, hat man die Erzeugung der elektischen Energie lange Zeit nicht dem Spiel der Marktkräfte überlassen. Kraftwerke zur Energieerzeugung waren lange in öffentlichem Besitz, sie waren eine wichtige Aufgabe der kommunalen Stadtwerke, bis der Privatisierungswahn die politischen Gestalter in die ideologische Verblendung trieb, und sie die Energieerzeugung privater Gewinnsucht in die Hände gaben. Möglich und sinnvoll, die Energieerzeugung in öffentlicher Regie zu betreiben war es deshalb, weil es sich bei der Elektrizität um ein vollkommen homogenes Gut handelt, und eben um ein sehr wichtiges und basales. Elektrizität kommt für jeden Verbraucher vollkommen gleichartig aus der Steckdose, vollkommen ununterscheidbar, und einen &#8220;Yellow Strom&#8221; hat erst die Gewinnsucht privater Energieerzeuger erfunden, die sich von so einer Phantasie-Benamung erhofften, die Verbraucher zu blenden und ihnen vorzumachen es handle sich um einen irgendwie anderen oder besseren Strom, der darum auch ein bischen teurer sein darf. </p>
<p>Digitale Fertigung macht Konsumgüter ebenfalls zu einem homogenen Gut. Bezogen wird gewissermassen eine bestimmte Menge vollkommen gleicher intelligenter Lego-Bausteine: zu welchem Konsumgut die sich beim Konsumenten in dessen Haushalt formen, ist vollkommen in dessen Ermessen gestellt, und den Legosteinen und dem Prozess auch vollkommen egal. Und wenn es sich nicht um intelligente Legosteine handelt, aus denen ein Konsumgut aufgebaut wird: dann bezieht der Konsument nur die &#8220;Bits und Bytes&#8221;, und ein universaler &#8220;Additiver Fabricator&#8221; baut aus diesen Bits und Bytes im Haushalt des Konsumenten das Konsumgut zusammen.                        </p>
<p>So wäre das im Prinzip. Da aber ersichtlich &#8211; das sagt auch schon der Blick auf den gegenwärtig erreichten State of the Art in dieser Branche &#8211; die Entwicklung noch sehr lange und möglicherweise Generationen lang dauern wird, bis es wirklich universale und kleine und selbstreplizierende und allgemein verfügbare Fabrikatoren für &#8220;allmost anything&#8221; geben wird, wird es zunächst verschiedene Spezial-Fabrikatoren geben, Spezialisten für unterschiedliche Grössen der Bauteile, unterscheidliche Materialien, unterschiedliche Baugeschwindigkeiten, Komplexitäten etc etc, so wie es im Laufe der Geschichte der Computer auch sehr unterscheidliche Rechnermodelle mit verschiedenen Anwendungsschwerpunkten gab, obwohl der Computer an sich die universalste Maschine ist die man sich überhaupt denken kann. </p>
<p>Und diese unterschiedlichen Maschinen, all das was dazu gehört sie zu betreiben, fachkundige Menschen sicher auch, die Software, die Kapazitätsplanung, also sozusagen eine Fabrikatoren-Fabrik, eine geballte Ansammlung von universaler Fabrikations-Kapazität: all das sollte sich eines schönen Tages in öffentlichem Besitz befinden, vielleicht &#8211; wie die Stadtwerke &#8211; auf kommunaler Ebene, und ermöglichen, dass die Menschen ebenso wie früher auf die Stromerzeugung auf diese Produktionskapazität zugreifen können und sich darauf verlassen, dass sie verfügbar ist, und das alles dann zu einer angemessen Kostenbeteiligung, von der man annehmen kann, dass sie so sein wird, dass sich die Versorgung mit Konsumgütern auf diese Weise insgesamt drastisch verbilligen wird. </p>
<p>Die durch das Internet gegebenen Möglichkeiten, aktiv an der Entwicklung von Produkten und Verfahren, von Materialien und Entwürfen mitzuwirken, ist ja dadurch nicht behindert, im Gegenteil lassen sich diese Möglichkeiten so erst umfassend ausarbeiten und institutionalisieren. </p>
<p>Jedenfalls kommt es darauf an, die Produktion von Konsumgütern in öffentlichen Besitz zu verlagern und zu übertragen, denn das Spiel der Marktkräfte ist zu unberechenbar und zu unzuverlässig geworden, als dass dies zu einer sicheren und planbaren Lebensgestaltung auf lange Sicht noch die Basis sein könnte. Wir müssen uns verlässlichere Grundlagen der Existenzsicherung schaffen. Die Märkte werden in Zeiten hoher Marktsättigung zu volatil, die Bedarfe sind zu grossem Teil Luxuskonsum geworden, der ohne weiteres aufschiebbar ist, wenn sich am Konjunkturhimmel Wolken zeigen, so wie in der Gegenwart schon wieder einmal. Und dann kontrahiert die Wirtschaftstätigkeit, die Umsätze gehen zurück, und all die vielen gering beschäftigten und schlecht bezahlten Menschen, deren Konsum keineswegs aufschiebbar und Luxuskonsum geworden ist, müssen darunter leiden. </p>
<p>Commons und Open Source sind in der Gegenwart gewissermassen die Spielwiese, auf der diese Prinzipien erprobt werden können, nach denen später einmal Wirtschaftsprozesse gestaltet sein werden. Aber wir werden diese Prinzipien institutionalisieren müssen und in die politischen Verfassungen und die öffentlichen Grundgerüste der Existenzsicherung einkonstruieren und einbauen. </p>
<p>Dann können wir unter Umständen besseren Zeiten entgegensehen.                 </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/common-stadtwerke-fur-fast-alles/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/common-stadtwerke-fur-fast-alles/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Same procedure as every crisis (yet to come)&#8230;</title>
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		<comments>http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/same-procedure-as-every-crisis-yet-to-come/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 08:20:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ludger Eversmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Rund um Schillerwelt I/O]]></category>
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		<category><![CDATA[konsumverhalten]]></category>
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		<description><![CDATA[Es gibt einen neuen schönen kleinen Artikel von Alexander Dill auf TELEPOLIS: Same procedure as 2008]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Es gibt einen neuen schönen kleinen Artikel von Alexander Dill auf TELEPOLIS:</p>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35288/1.html">Same procedure as 2008<a</p>
<p>&#8230; der das ausweglose Elend beschreibt, in dem wir stecken mit einer real nicht mehr wachstumsfähigen Wirtschaft: unser Wirtschaftswunder haben wir gehabt, die Erhardtsche &#8220;soziale Marktwirtschaft&#8221; ist gereift, und ausgewachsen! </p>
<p>Eine den tatsächlichen Leistungsbeiträgen zur Wertschöpfung angemessenere Verteilung, auch eine der Bedürftigkeit etwas angemessenere Verteilung könnte eine Zeit lang noch zu weiterer &#8220;Nachreifung&#8221;, also zu weiterem realem Wachstum verhelfen, aber die fundamentalen Gossenschen Sättigungsgesetze würde auch das nicht aushebeln können. Die Welt ist irgendwann voll, die Lagerfähigkeit ist nicht unbegrenzt, und die Konsumfähigkeit der Menschen ist es auch nicht. Ab einer bestimmten Höhe des Einkommens fangen alle an davon zu träumen, von Zinsen und Kapitalerträgen zu leben&#8230; jedenfalls wollen sie mit am Roulettetisch sitzen, und Kapitalerträge erwirtschaften. Und was den Hunger nach Kapitalerträgen angeht &#8211; da ausgerechnet versagen die Gossenschen Sättigungsgesetze&#8230; </p>
<p>Raus kommen wir da offensichtlich nur ganz anders. Langfristig und nachhaltig, aber: wird sich wohl noch hinziehn. </p>
<p>Bis dahin: Kämpfen an der Urne.    </p>
<hr /><p><small><a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/same-procedure-as-every-crisis-yet-to-come/#comments" title="zu den Kommentaren">Zu den Kommentaren</a>. – ID: <a href="http://schillerwelt.org/archiv/2011/08/same-procedure-as-every-crisis-yet-to-come/"> b4bb70de509ee028ba2e9133c3d7a14f</a>. – <a href="http://twitter.com/schillerwelt_io" title="Folge uns bei Twitter">Bei Twitter folgen</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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